Risse im WDVS: Ursachen erkennen und dauerhaft sanieren

Risse im WDVS: Ursachen erkennen und dauerhaft sanieren
25 Februar 2026 0 Kommentare Lorenz Schilf

Ein WDVS (Wärmedämm-Verbundsystem) soll Energie sparen und das Gebäude vor Witterung schützen. Doch wenn die Fassade Risse bekommt, wird aus Effizienz ein Problem. Risse sind nicht nur unschön - sie sind ein Warnsignal. Jeder Riss kann Feuchtigkeit ins Innere leiten, die dann Dämmplatten zerstört, Putz abplatzt und sogar das Mauerwerk angreift. Nach Untersuchungen des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik entstehen etwa 60 % aller schwerwiegenden Fassadenschäden durch unsichtbare Feuchteeinträge, die erst sichtbar werden, wenn es schon zu spät ist. Die gute Nachricht: Risse lassen sich erkennen, verstehen und dauerhaft reparieren - wenn man weiß, wie.

Was genau ist ein WDVS und warum reißt es?

Ein WDVS besteht aus drei Schichten: Dämmplatten aus Styropor, Mineralwolle oder Holzfaser, die auf die Wand geklebt werden, dann ein Armierungsputz mit Glasfasergewebe und zum Schluss ein Oberputz. Diese Schichten arbeiten zusammen, um Wärme zu halten. Aber sie reagieren unterschiedlich auf Temperatur, Feuchtigkeit und mechanische Belastung. Wenn eine Schicht sich anders verhält als die andere, entsteht Spannung. Und Spannung führt zu Rissen.

Es gibt nicht nur einen Grund für Risse - es gibt viele. Die häufigsten Ursachen sind:

  • Schwindrisse: Entstehen, wenn der Putz zu schnell trocknet - etwa bei heißen Sommertagen mit direkter Sonneneinstrahlung. Zu viel Zement oder falsch gemischte Putzmörtel verschlimmern das.
  • Thermische Spannungsrisse: Besonders an Fensterbänken. Aluminium expandiert bei Hitze, zieht sich bei Kälte zusammen. Diese Bewegung reißt den Putz auf - und lässt Wasser in die Wand eindringen.
  • Baualtersbedingte Risse: Bei älteren Gebäuden versagt die Haftung zwischen Putz und Mauerwerk. Setzungen, Vibrationen vom Straßenverkehr oder Materialermüdung sorgen dafür, dass sich die Schichten trennen.
  • Fehlerhafte Ausführung: Wenn Anschlüsse an Fenstern, Türen oder Übergängen nicht richtig abgedichtet wurden, kann Wasser von der Seite eindringen. Auch zu dicker Putz oder falsch aufgetragenes Gewebe sind häufige Fehler.

Wie erkennt man, welcher Riss vorliegt?

Nicht jeder Riss ist gleich. Die Art des Risses sagt, wie schwer der Schaden ist und wie er behoben werden muss. Fachleute unterscheiden sie in Kategorien:

  • A1- und A2-Risse: Oberflächenrisse, meist fein und oberflächlich. Sie entstehen durch zu viel Bindemittel, zu feinen Sand oder zu hohe Putzdicke. Sie sehen schlimm aus, sind aber oft nur kosmetisch.
  • B1-Risse: Diese gehen von der Putzoberfläche bis in die Mauerwerksfugen. Sie kommen oft an Stoßstellen vor - etwa wo Ziegel auf Beton trifft. Die Ursache: unterschiedliches Saugverhalten der Untergründe oder ungenügende Trocknung.
  • C1/C2-Risse: Bautechnisch bedingt. Sie entstehen an Übergängen zwischen Bauteilen, etwa wo Dach und Wand aufeinandertreffen. Oder durch Bodenbewegungen, Erschütterungen von Straßen oder Bahnlinien. Hier fehlen oft Bewegungsfugen.
  • Konstruktionsbedingte Risse: Diese sind dynamisch. Sie bewegen sich mit der Struktur des Gebäudes. Kein Putz kann sie dauerhaft überbrücken - sie müssen entkoppelt werden.

Ein Riss von weniger als zwei Millimetern Breite ist oft noch zu retten. Ab zwei Millimetern wird es kritisch. Und wenn mehrere Risse über 0,2 mm breit sind, ist eine vollflächige Armierung nötig - nicht nur punktuell.

Was passiert, wenn man Risse ignoriert?

Ein kleiner Riss mag unscheinbar wirken. Aber im Winter wird Wasser, das in den Riss gedrungen ist, zu Eis. Und Eis dehnt sich aus - um bis zu 9 %.

Diese Ausdehnung presst den Putz auseinander. Die Risse werden breiter. Die Dämmplatten nehmen Feuchtigkeit auf - und verlieren ihre Isolierwirkung. Das heißt: Heizkosten steigen. Im Innern entstehen kalte Stellen an den Wänden. Schimmel bildet sich. Der Putz löst sich in großen Flächen ab. Und irgendwann muss man das ganze System abreißen und neu aufbauen - mit Kosten, die das Doppelte eines gezielten Eingriffs kosten.

Feuchteschäden gelten als Notfall. Jeder Tag, den man mit der Reparatur wartet, erhöht das Risiko einer teuren Totalreparatur. Deshalb: Sobald Sie Risse sehen, handeln. Nicht warten.

Technische Querschnittsdarstellung eines WDVS mit drei Arten von Rissen und Feuchteeintrag, farblich gekennzeichnet.

Was kann man selbst tun?

Ein Hausbesitzer sollte nicht versuchen, selbst die Dämmung zu reparieren. Aber er kann einen ersten Check machen:

  1. Visuelle Inspektion: Gehen Sie rund ums Haus. Suchen Sie nach Rissen - besonders an Fensterbänken, Türrahmen, Ecken und Übergängen zwischen altem und neuem Mauerwerk.
  2. Innenprüfung: Fühlen Sie die Wände im Innern. Gibt es kalte Stellen? Sind dort Feuchtigkeitsflecken oder Salzausblühungen sichtbar? Das sind klare Anzeichen für Feuchteeintritt.
  3. Heizkosten checken: Sind die Kosten im Vergleich zum Vorjahr unerwartet gestiegen? Dann könnte die Dämmung versagen.
  4. Fensteranschlüsse prüfen: Sind die Dichtungen noch elastisch? Oder sind sie brüchig, gerissen oder abgefallen? Das ist eine der häufigsten Einstiegsstellen für Feuchtigkeit.

Wenn Sie eines dieser Symptome finden: Dokumentieren Sie es mit Fotos. Und rufen Sie einen Fachbetrieb an. Keine Selbstversuche mit Kleber, Silikon oder Abdeckfolien - das verschlimmert die Schäden oft.

Wie wird ein WDVS richtig saniert?

Die Sanierung hängt von der Rissart ab. Hier sind die bewährten Methoden:

Kleine Risse (unter 2 mm)

Bei feinen Oberflächenrissen reicht es nicht, sie nur zu füllen. Man muss sie abdichten und neu versiegeln.

  • Die Fläche wird gereinigt und mit einer wasserabweisenden Grundierung behandelt - zum Beispiel DinoGarant Compact.
  • Dann folgen mindestens zwei Anstriche mit einem elastischen, wasserdichten Oberputz - wie DinoGarant MultiTop FZ.
  • Als zusätzliche Sicherheit kann ein Streichvlies zwischen den Anstrichen eingearbeitet werden. Es verhindert, dass der Putz erneut reißt.

Größere Risse (über 2 mm) und flächige Schäden

Hier ist eine putztechnische Sanierung nötig. Die WTA-Merkblätter empfehlen:

  • Rissverpressung: Ein spezielles Injektionsmittel wird unter Druck in den Riss gepresst. Es verbindet die Putzschichten kraftschlüssig - und funktioniert sogar in feuchten Rissen. Das ist ideal für B1- und C2-Risse.
  • Vollflächige Armierung: Wenn mehrere Risse über 0,2 mm breit sind, wird eine gesamte Putzschicht mit Glasfasergewebe verstärkt. Das verteilt die Spannung und verhindert neue Risse.
  • Entkopplung: Bei konstruktionsbedingten Rissen (z. B. an Fensterbänken) wird eine Trennschicht eingebaut - etwa ein Putzträgerstreifen auf einer Folie. So kann sich die Fassade unabhängig vom Bauteil bewegen, ohne zu reißen.

Wichtig: Kein Armierungsputz auf alte Fassaden aufbringen! Das ist ein häufiger Fehler. Alte Putzschichten haften nicht mehr richtig. Der neue Putz reißt wieder - und dann ist nur noch ein kompletter Rückbau möglich.

Verwitterte Fassade mit abgefallenem Putz, feuchte Dämmung und Spinnweben über einem großen Riss, abends beleuchtet.

Was ist mit Materialien? Welche sind wirklich geeignet?

Es gibt keine Allzwecklösung. Die richtige Materialwahl hängt vom Risstyp ab:

  • A1-Risse: DinoGarant Compact + 2x DinoGarant MultiTop FZ - das ist der Standard.
  • B1-Risse: DinoGarant Elastic-System mit Gewebearmierung - es ist flexibel genug, um sich mit der Mauerwerksbewegung zu bewegen.
  • C2-Risse an Fensterbänken: Eine Entkopplung mit Trennlagen und elastischem Füllstoff. Kein normaler Putz hält hier.

Die Hersteller geben in ihren technischen Merkblättern genau an, welches Produkt für welchen Schaden geeignet ist. Wenn Sie unsicher sind: Fragen Sie beim Hersteller nach - oder lassen Sie es von einem Fachbetrieb prüfen. Es gibt keine Standardlösung für alle Fälle.

Wie verhindert man zukünftige Schäden?

Sanieren ist wichtig. Vorbeugen ist besser.

  • Jährliche Kontrolle: Mindestens einmal im Jahr, am besten im Frühjahr, die Fassade auf neue Risse prüfen. Vor allem nach extremen Wetterlagen.
  • Fensteranschlüsse prüfen: Diese Stellen sind die Schwachstelle. Dichtungen erneuern, wenn sie brüchig werden - nicht erst, wenn Wasser eintritt.
  • Luftfeuchtigkeit regulieren: Zu hohe Luftfeuchtigkeit im Haus fördert Feuchteeintrag. Lüften Sie regelmäßig - besonders in Bädern und Küchen.
  • Fachbetrieb beauftragen: Bei größeren Sanierungen oder bei Unsicherheit: Lassen Sie sich von einem zertifizierten WDVS-Fachmann beraten. Ein Bauberater kann die Ursache genau bestimmen und einen Sanierungsplan erstellen - mit Kostenübersicht und Garantie.

Ein WDVS ist kein „einmal installiert, für immer sicher“-System. Es braucht Pflege. Wie ein Auto braucht es regelmäßige Inspektionen. Wer das ignoriert, zahlt später viel mehr.

Frequently Asked Questions

Kann man WDVS-Risse mit Silikon oder Kleber selbst reparieren?

Nein. Silikon, Kleber oder Abdeckfolien sind nur kurzfristige Lösungen. Sie verdecken den Schaden, aber nicht die Ursache. Feuchtigkeit bleibt im Mauerwerk und führt zu weiteren Schäden. Die Fassade kann sich unter der Folie abheben, und der Putz löst sich später in großen Flächen ab. Das macht eine spätere Sanierung teurer und aufwändiger. Nur fachgerechte Sanierung mit speziellen Putzen und Armierungen hält langfristig.

Wann ist eine komplette Erneuerung des WDVS nötig?

Eine komplette Erneuerung ist nötig, wenn mehr als 30 % der Fassade abgelöst sind, wenn die Dämmplatten feucht oder verformt sind, oder wenn sich Feuchtigkeit im Mauerwerk ausgebreitet hat. Auch wenn mehrere große Risse über 5 mm breit sind und die Armierung versagt hat, ist ein Neuaufbau die einzige dauerhafte Lösung. In diesen Fällen ist eine Teilsanierung sinnlos - die Schäden sind zu tiefgreifend.

Sind Risse in einer neuen Fassade normal?

Kleine Oberflächenrisse (unter 0,5 mm) können in den ersten Monaten nach der Verlegung auftreten - besonders bei schneller Trocknung. Das ist nicht ungewöhnlich. Aber wenn Risse größer werden, an Kanten auftreten oder sich über Monate ausbreiten, liegt ein Ausführungsfehler vor. Dann ist es kein „normaler“ Schwinden, sondern ein technischer Mangel. Und der muss behoben werden - nicht ignoriert.

Kann man WDVS-Risse mit Farbe überdecken?

Nein. Farbe ist kein Reparaturmittel. Sie überdeckt Risse, aber nicht die Ursache. Die Risse bleiben bestehen - und Feuchtigkeit dringt weiter ein. Die Farbe blättert später ab, und die Risse werden noch sichtbarer. Nur wenn die Risse vorher fachgerecht repariert wurden, kann eine neue Farbe aufgetragen werden. Sonst ist es nur Verschleierung - kein Sanieren.

Wie lange hält eine WDVS-Sanierung?

Eine fachgerechte Sanierung hält mindestens 15 bis 20 Jahre - vorausgesetzt, die Materialien sind geeignet, die Ausführung korrekt ist und die Fassade regelmäßig kontrolliert wird. Besonders wichtig: Die Anschlüsse an Fenstern und Türen müssen dicht bleiben. Wer diese Stellen vernachlässigt, hat auch nach einer teuren Sanierung in 5 Jahren wieder Probleme.