Kaufnebenkosten bei Auslandsimmobilien: Der große Vergleich

Kaufnebenkosten bei Auslandsimmobilien: Der große Vergleich
8 November 2026 0 Kommentare Lorenz Schilf

Stellen Sie sich vor, Sie haben Ihre Traumvilla an der Costa del Sol gefunden. Der Preis klingt fair, die Lage ist perfekt, und Ihr Bauchgefühl sagt: "Ja, das ist es." Dann kommt die Rechnung des Notars - und plötzlich fehlen Ihnen 45.000 Euro in der Kasse. Klingt dramatisch? Ist es aber nicht, wenn man die Kaufnebenkosten im Ausland unterschätzt hat. In Deutschland rechnen wir oft mit 10 bis 15 Prozent extra. Im Ausland kann diese Zahl schnell zur Falle werden, weil die Spielregeln komplett anders sind.

Als jemand, der in Salzburg lebt und den österreichischen Markt kennt, weiß ich, wie verwirrend internationale Transaktionen sein können. Die EU macht vieles einfacher, aber beim Geldausgeben für Immobilien gelten nationale Gesetze hart und unbarmherzig. Ob Sie nach Spanien, Italien oder einfach nur über die Grenze nach Österreich schauen: Wer nicht genau hinrechnet, zahlt drauf. Hier ist der ehrliche Blick auf die Kostenstruktur, fernab von Hochglanzbroschüren.

Warum die Faustregel "10-15 Prozent" trügerisch ist

In Deutschland nutzen Makler gerne die Faustregel, dass Käufer mit 10 bis 15 Prozent Nebenkosten kalkulieren sollten. Das ist eine solide Basis für den hiesigen Markt, wo die Grunderwerbsteuer je nach Bundesland zwischen 3,5 % (Bayern/Sachsen) und 6,5 % (NRW/Brandenburg) liegt. Dazu kommen Notar- und Grundbuchkosten von etwa 1,5 bis 2 Prozent sowie die Maklerprovision, die seit der Gesetzesänderung meist geteilt wird.

Aber übertragen Sie diese Logik blind auf andere Länder, machen Sie einen teuren Fehler. Warum? Weil die Zusammensetzung dieser Prozentsätze völlig unterschiedlich ist. In einigen Ländern trägt der Käufer die volle Maklerprovision. In anderen gibt es verpflichtende Anwaltskosten, die hierzulande optional sind. Und wieder andere haben extrem hohe staatliche Abgaben, die im Kaufpreis schon enthalten scheinen, aber separat versteuert werden.

Ein konkretes Beispiel aus Hamburg zeigt die deutsche Realität: Bei einem Kaufpreis von 450.000 Euro fallen Gesamtkosten von knapp 498.200 Euro an. Das sind rund 10,7 Prozent Aufschlag. Bestehend aus Maklercourtage, Steuer und Grundbuch. Wenn Sie nun denselben Preis in Andalusien sehen, erwarten Sie vielleicht Ähnliches. Doch dort können es schnell 15,5 Prozent sein, weil regionale Steuern und Pflichtübersetzungen dazukommen.

Spanien: Das Sonnenlicht hat seinen Preis

Spanien ist unangefochten das Lieblingsziel deutscher Käufer. Rund 45 Prozent aller deutschen Auslandsimmobilienkäufe finden dort statt. Kein Wunder bei Sonne, Strand und Lebensqualität. Aber die Kostenstruktur ist tückisch.

Der größte Schock für viele Deutsche: In Spanien zahlt der Käufer die gesamte Maklerprovision. In Deutschland teilen wir uns das mit dem Verkäufer. In Spanien sind das oft 3 bis 5 Prozent plus Mehrwertsteuer (IVA). Bei einer Immobilie für 300.000 Euro bedeutet eine Provision von 4 Prozent plus 21 % IVA sofort 14.520 Euro, die nur für den Vermittler draufkommen. In Deutschland wären es bei gleicher Quote, geteilt, nur etwa 5.355 Euro für Ihren Anteil.

Dazu kommt die Impuesto de Transmisiones Patrimoniales (ITP), also die spanische Grunderwerbsteuer für Gebrauchtimmobilien. Je nach Region liegt sie zwischen 6 und 10 Prozent. Kaufen Sie in Katalonien, zahlen Sie mehr als in Madrid. Kaufen Sie auf den Kanaren, profitieren Sie vom IGIC-Satz, der niedriger sein kann. Aber selbst im günstigsten Fall müssen Sie mit deutlich höheren Steuersätzen als in Bayern oder Sachsen rechnen.

Und dann ist da noch der Anwalt. In Deutschland ist ein eigener Anwalt beim Hauskauf Luxus. In Spanien ist er Pflichtprogramm, um sicherzustellen, dass keine Schulden auf der Immobilie lasten. Rechnen Sie mit weiteren 1 Prozent des Kaufpreises für Rechtsberatung und Übersetzungskosten. Diese Posten vergessen viele Käufer in ihrer Kalkulation komplett.

Vergleich der Kaufnebenkosten: Deutschland vs. Spanien (Beispielkaufpreis 300.000 EUR)
Kostenart Deutschland (typisch) Spanien (typisch)
Maklerprovision ca. 3,57% (geteilt = ~1,8%) 3-5% + 21% MwSt. (vom Käufer)
Grunderwerbsteuer / ITP 3,5 - 6,5% 6 - 10% (regional abhängig)
Notar & Grundbuch 1,5 - 2% 1 - 2%
Anwalt & Übersetzung Optional / Gering Pflicht / ca. 1%
Gesamtkostenanteil ~7 - 10% ~11 - 15%

Österreich: Nicht ganz so weit weg, aber anders teuer

Für Österreicher und Süddeutsche ist der Nachbarstaat Österreich ein beliebtes Ziel. Auch wenn wir kulturell nah beieinander liegen, unterscheiden sich die Nebenkosten signifikant. Viele denken, innerhalb der DACH-Region sei alles gleich. Falsch.

In Österreich fällt die Grundbucheintragungsgebühr ins Gewicht. Sie beträgt 1,1 Prozent des Kaufpreises. Zum Vergleich: In Deutschland liegen die vergleichbaren Kosten für Eintragung und Notar zusammen oft bei 1,5 bis 2 Prozent, wobei die reine Eintragungsgebühr niedriger ist. Der Unterschied wirkt klein, summiert sich aber schnell.

Hinzukommt die Grunderwerbsteuer in Österreich, die pauschal 3,5 Prozent beträgt. Das ist günstig im Vergleich zu NRW oder Brandenburg, aber höher als in Bayern. Zusätzlich muss man die Vertragserrichtungskosten beachten. In Österreich wird der Kaufvertrag fast immer von einem Anwalt oder Notar erstellt, dessen Gebühren oft höher ausfallen als die reinen Notarkosten in Deutschland. Insgesamt bewegen sich die Nebenkosten in Österreich oft auch im Bereich von 10 bis 12 Prozent, ähnlich wie in Deutschland, aber mit anderer Verteilung.

Visueller Vergleich der Kaufnebenkosten Deutschland vs. Spanien

Italien und Frankreich: Bürokratie kostet Zeit und Geld

Wer nach Italien schaut, denkt an Dolce Vita. Aber die italienische Bürokratie ist legendär. Hier fallen sogenannte "Registro"-Steuern an, die bei Gebrauchtimmobilien 9 Prozent betragen können, wenn der Verkäufer kein Unternehmer ist. Bei Neubauimmobilien greift die Mehrwertsteuer (IVA), die je nach Kategorie zwischen 4 und 22 Prozent liegt. Das macht die Kalkulation extrem komplex.

Notarkosten in Italien sind ebenfalls hoch, oft zwischen 2 und 3 Prozent des Kaufpreises. Dazu kommen Vermessungskosten und Verwaltungsgebühren. Ein häufiger Stolperstein ist die Unklarheit über eventuelle Bausünden oder fehlende Genehmigungen, die erst im Zuge der Due Diligence durch den Anwalt ans Licht kommen. Planen Sie hier großzügige Puffer für rechtliche Klärungen ein.

In Frankreich sieht es etwas transparenter aus, aber nicht billiger. Die "Frais de notaire" sind gesetzlich geregelt und liegen bei Gebrauchtimmobilien bei etwa 7 bis 8 Prozent des Kaufpreises. Dieser Satz enthält bereits die Steueranteile. Für Neubauten sinkt dieser Satz auf 2 bis 3 Prozent. Der Vorteil: Es gibt weniger versteckte Kosten. Der Nachteil: Der Notar vertritt in Frankreich beide Seiten neutral, was die Verhandlungsposition des Käufers schwächen kann, wenn er keinen eigenen Berater hinzuzieht.

Versteckte Kostenfresser, die niemand erwähnt

Neben den offensichtlichen Steuern und Gebühren lauern andere Kostenpunkte, die Ihre Bilanz ruinieren können, wenn Sie sie ignorieren:

  • Währungsschwankungen: Kaufen Sie außerhalb der Eurozone (z.B. UK, Schweiz, Kroatien ab 2023/24 noch relevant in Übergangsphasen), achten Sie auf Wechselkursrisiken. Ein Kursverlust von 2 Prozent frisst Ihre Ersparnis auf.
  • Finanzierungskosten: Auslandsfinanzierungen sind oft teurer. Banken verlangen höhere Zinsen oder Sicherheiten, weil sie das Risiko schlechter einschätzen können. Prüfen Sie, ob eine Finanzierung im Herkunftsland möglich ist oder ob Sie eine lokale Bank benötigen.
  • Laufende Nebenkosten: Vergessen Sie nicht die jährlichen Lasten. In Spanien gibt es die IBI (Immobiliensteuer), in Italien IMU. Diese sind zwar keine Kaufnebenkosten, aber sie beeinflussen die Rentabilität Ihrer Investition massiv.
  • Übersetzungsleistungen: Jeder Vertrag, jede behördliche Schrift muss oft beglaubigt übersetzt werden. Das kostet pro Seite Geld und summiert sich bei umfangreichen Dokumentenpaketen schnell auf mehrere Hundert Euro.
Makroaufnahme von Währungen und Verträgen auf Holztisch

So berechnen Sie Ihre Kosten richtig

Verlassen Sie sich nicht auf das "Bauchgefühl" oder die grobe Schätzung des Maklers. Nutzen Sie diese Schritt-für-Schritt-Anleitung, bevor Sie ein Angebot unterschreiben:

  1. Ermitteln Sie den lokalen Steuersatz: Recherchieren Sie die aktuelle Grunderwerbsteuer bzw. ITP für die konkrete Region. Eine Region kann sich von der Nachbarstadt unterscheiden!
  2. Klären Sie die Maklerfrage: Fragen Sie explizit: "Zahle ich die Provision allein oder wird sie geteilt?" Lassen Sie sich das schriftlich geben.
  3. Budgetieren Sie Rechtshilfe: Planen Sie fix 1 Prozent des Kaufpreises für einen unabhängigen Anwalt und Übersetzer ein. Ignorieren Sie diesen Punkt nicht.
  4. Addieren Sie Notar- und Registerkosten: Fragen Sie nach einer Kostenaufstellung des Notars, bevor Sie den Vertrag unterzeichnen. In vielen Ländern kann der Notar dies vorab tun.
  5. Prüfen Sie die Währungsabsicherung: Wenn Sie in Fremdwährung kaufen, sichern Sie den Kurs ab oder kalkulieren Sie einen Sicherheitspuffer von mindestens 3 Prozent ein.

Experten wie Mike Graubaum von B-I-B Immobilien warnen zu Recht: "Bei einem Immobilienwert von 300.000 Euro bedeutet das zusätzliche Kosten von etwa 30.000 bis 45.000 Euro." Diese Summe ist kein Kleingeld. Sie bestimmt, ob Ihre Investition profitabel ist oder ob Sie Jahre brauchen, um die Einstiegskosten wieder hereinzuholen.

Zukunftsausblick: Wird es günstiger?

Gute Nachrichten: Die EU drängt auf mehr Transparenz. Seit 2024 gibt es neue Richtlinien, die verpflichtende Kostenaufstellungen in allen Amtssprachen vorschreiben. Das hilft, Missverständnisse zu vermeiden. Zudem plant Deutschland eine Angleichung der Grunderwerbsteuer auf bundesweit 5 Prozent, was die regionalen Unterschiede glätten würde. Spanien diskutiert eine Vereinheitlichung der regionalen Steuern auf 7 Prozent.

Auch die Digitalisierung hilft. Online-Verfahren sollen die Notar- und Grundbuchkosten in Europa langfristig senken. Prognosen des Immobilienverbandes IVD deuten darauf hin, dass die durchschnittlichen Nebenkosten für Auslandsimmobilien bis 2025 auf ein Niveau von 8 bis 12 Prozent sinken könnten. Bis dahin gilt aber: Genauigkeit schlägt Hoffnung. Rechnen Sie konservativ, dann fahren Sie gut.

Wie hoch sind die Kaufnebenkosten in Spanien im Vergleich zu Deutschland?

In Spanien liegen die Kaufnebenkosten typischerweise zwischen 10 und 15 Prozent des Kaufpreises, während sie in Deutschland oft bei 7 bis 10 Prozent liegen. Der Hauptunterschied liegt darin, dass in Spanien der Käufer die volle Maklerprovision (plus MwSt.) sowie verpflichtende Anwaltskosten trägt, während in Deutschland die Provision meist geteilt wird und Anwälte optional sind. Zudem ist die Grunderwerbsteuer (ITP) in Spanien regional oft höher als in günstigen deutschen Bundesländern wie Bayern.

Muss ich in Spanien einen Anwalt für den Immobilienkauf bezahlen?

Ja, es ist dringend empfohlen und in der Praxis üblich, einen eigenen Anwalt zu beauftragen. Die Kosten hierfür liegen bei etwa 1 Prozent des Kaufpreises. Der Anwalt prüft die Schuldfreiheit der Immobilie, die Baugenehmigungen und die Verträge. Ohne diesen Schutz tragen Sie ein erhebliches Risiko, insbesondere bei älteren Immobilien oder Erbfällen.

Gibt es Unterschiede bei der Maklerprovision in Europa?

Ja, massive Unterschiede. In Deutschland wird die Provision seit 2020 gesetzlich reguliert und meist zwischen Käufer und Verkäufer geteilt. In Südeuropa (Spanien, Italien, Portugal) zahlt traditionell der Käufer die gesamte Provision, die oft 3 bis 5 Prozent plus Mehrwertsteuer beträgt. In Frankreich sind die Kosten im sogenannten "Frais de notaire" enthalten, der bei Gebrauchtimmobilien pauschal 7-8 Prozent ausmacht.

Welche Rolle spielt die Währung bei Auslandsimmobilien?

Wenn Sie in einer Währung außerhalb des Euroraums kaufen (z.B. Schweizer Franken, Britisches Pfund), entstehen Umrechnungskosten und Wechselkursrisiken. Selbst kleine Kursschwankungen können den effektiven Kaufpreis um mehrere Tausend Euro verändern. Sichern Sie den Kurs frühzeitig ab oder wählen Sie eine Finanzierung in der Landeswährung, um dieses Risiko zu minimieren.

Sind die Nebenkosten in Österreich höher als in Deutschland?

Nicht unbedingt höher in der Summe, aber anders verteilt. Österreich hat eine fixe Grundbucheintragungsgebühr von 1,1 % und eine Grunderwerbsteuer von 3,5 %. Die Vertragserrichtungskosten durch Anwälte/Notare sind oft höher als die reinen Notarkosten in Deutschland. Insgesamt bewegen sich die Kosten in beiden Ländern oft in ähnlichen Bereichen (10-12 %), wobei Österreichs System transparenter, aber punktuell teurer sein kann.