Wärmedämmverbundsysteme bei Fassaden: Die besten Systeme, Kosten und Lebensdauer im Überblick
Wenn du dein Haus sanierst und dabei die Heizkosten senken willst, dann kommt du an einem Wärmedämmverbundsystem (WDVS) kaum vorbei. Es ist nicht nur die häufigste Methode, um alte Fassaden energieeffizient zu modernisieren - es ist oft auch gesetzlich vorgeschrieben. Seit März 2025 gilt im Gebäudeenergiegesetz (GEG): Wenn du mehr als zehn Prozent des Außenputzes erneuerst, musst du auch dämmen. Kein Wunder, dass in Deutschland jedes fünfte Haus heute ein WDVS an der Fassade hat. Aber was ist eigentlich ein WDVS? Wie funktioniert es? Und was kostet es wirklich - nicht nur beim Einbau, sondern über die Jahre hinweg?
Was ist ein Wärmedämmverbundsystem?
Ein WDVS ist keine einzelne Platte, sondern ein komplettes System aus mehreren Schichten, die zusammenarbeiten wie ein Team. Es besteht aus vier Hauptteilen: der Befestigung an der Wand, der Dämmung, einer Armierungsschicht mit Gewebe und einem Außenputz. Die Dämmplatten - meist aus EPS, Mineralwolle oder Naturmaterialien - werden auf die Außenwand geklebt und zusätzlich mit Dübeln gesichert. Darüber kommt ein Armierungsmörtel mit Glasfaser-Gewebe, das Risse verhindert und die Struktur stabilisiert. Der letzte Schritt ist der Außenputz, der die Dämmung vor Wetter, UV-Strahlung und mechanischen Beschädigungen schützt.
Diese Systeme sind nicht beliebig kombinierbar. Jeder Hersteller gibt vor, welche Dämmplatten mit welchem Kleber, welchem Gewebe und welchem Putz zusammenarbeiten dürfen. Nur so ist die bauaufsichtliche Zulassung (abZ) gültig. Wer hier rumexperimentiert, riskiert nicht nur Mängel - er verliert auch die Garantie und kann keine Förderung bekommen.
Welche Dämmstoffe gibt es - und welcher ist der richtige?
Nicht alle WDVS sind gleich. Die Wahl des Dämmstoffes entscheidet über Wärmedämmung, Brandschutz, Umweltverträglichkeit und Preis. Die drei Haupttypen sind:
- EPS (Expanded Polystyrol): Der Klassiker. Günstig, leicht und mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,032 bis 0,040 W/mK. Aber: es ist brennbar. Bei Brandfällen kann es schmelzen und giftige Dämpfe freisetzen. Viele Kommunen verbieten EPS in dicht bebauten Gebieten.
- Mineralwolle: Der Experten-Tipp. Mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,035 bis 0,045 W/mK ist sie fast so gut wie EPS, aber nicht brennbar. Sie reguliert die Feuchtigkeit besser, ist recyclebar und besonders für Altbauten mit kapillar aktiven Wänden empfohlen. Experten wie Baudekoration Rieger nennen sie die beste Wahl für Sanierungen.
- Naturdämmstoffe: Holzfasern, Hanf, Kork oder Kokos. Umweltfreundlich, atmungsaktiv und mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,040 bis 0,050 W/mK. Aber: teurer. Und sie brauchen mehr Dicke, um die gleiche Dämmwirkung wie EPS zu erreichen. Ideal für ökologisch orientierte Bauherren, die bereit sind, mehr zu investieren.
Im Jahr 2020 war EPS noch der Marktführer - heute ist Mineralwolle in der Sanierung bereits die Nummer eins. Ihre Marktanteile sind von 35% auf 48% gestiegen. Warum? Weil die Nachfrage nach Brandschutz und nachhaltigen Materialien wächst. Und weil die KfW ab 2024 nur noch Förderungen für Systeme mit hohem Brandschutz zahlt.
Kosten: Was du wirklich zahlen musst
Die Kosten für ein WDVS liegen zwischen 40 und 80 Euro pro Quadratmeter - aber das ist nur die halbe Wahrheit. Diese Preise beinhalten Material und Arbeitslohn, aber nicht Gerüste, Entsorgung oder eventuelle Sanierungen der Wand selbst.
- EPS-Systeme: 40-55 €/m²
- Mineralwolle-Systeme: 50-65 €/m²
- Naturdämmstoffe: 60-80 €/m²
Ein Einfamilienhaus mit 150 Quadratmeter Fassadenfläche kostet also zwischen 6.000 und 12.000 Euro - nur für das WDVS. Dazu kommen 1.500 bis 3.000 Euro für das Gerüst. Die Entsorgung des alten Putzes kostet extra - oft 500 bis 1.000 Euro. Insgesamt rechnet man mit 8.000 bis 15.000 Euro für eine komplette Sanierung.
Die gute Nachricht: Die KfW fördert bis zu 25% der Kosten, wenn die Dämmstärke mindestens 20 cm beträgt. Das bedeutet: Bei einem 10.000-Euro-Projekt kannst du 2.500 Euro zurückbekommen. Und die Energieeinsparung? Bis zu 30% der Heizkosten - das sind bei einem durchschnittlichen Haushalt mit 1.500 Euro Heizkosten pro Jahr bis zu 450 Euro jährlich. Die Investition rechnet sich in 10 bis 15 Jahren.
Lebensdauer: Wie lange hält ein WDVS?
Hersteller versprechen 25 bis 50 Jahre. Die Realität ist komplexer. Eine Studie der TU München von 2022 zeigt: Bis zu 40% der WDVS, die in den 80er und 90er Jahren verbaut wurden, haben heute Mängel. Kein Wunder - damals wurde oft gespart, wo es nicht gehen durfte. Falsch verklebt, unzureichend gedämmt, kein Gewebe - das Ergebnis: Feuchtigkeit, Schimmel, Putzablösungen.
Was macht den Unterschied? Zwei Dinge: die Qualität der Installation und die richtige Materialwahl. Ein WDVS aus Mineralwolle, fachgerecht verarbeitet und mit einem hochwertigen Putz, hält problemlos 50 Jahre. Die Deutsche Gesellschaft für Schadenfreie Bauweise (DGSB) bestätigt: Bei korrekter Ausführung und regelmäßiger Inspektion ist eine Lebensdauer von 50 Jahren keine Ausnahme - sondern die Regel.
Wichtig: WDVS brauchen keine Wartung - aber sie brauchen Kontrolle. Jedes zehnte Jahr solltest du die Fassade auf Risse, Blasen oder Feuchtigkeit prüfen. Ein kleiner Riss, der nicht gefüllt wird, kann nach fünf Jahren zu einem großen Schaden führen. Ein Fachbetrieb macht das mit einer Kamera und einem Feuchtigkeitsmesser - für 150 bis 300 Euro.
Wer darf ein WDVS verbauen?
Nicht jeder Maler oder Putzer kann ein WDVS installieren. Die KfW verlangt für die Förderung einen Nachweis über eine spezielle Zusatzausbildung. Nur Fachbetriebe mit Zertifizierung dürfen die Systeme verbauen - und nur sie erhalten die Garantie des Herstellers.
In Deutschland werden 70% der WDVS von spezialisierten Fassadenbau-Unternehmen durchgeführt. Die restlichen 30% kommen von Maler- und Putzbetrieben, die sich extra weitergebildet haben. Frag immer nach der Zertifizierung - und verlange einen schriftlichen Installationsplan mit den genauen Materialien. Kein „das machen wir schon so“.
Und warum ist das so wichtig? Weil ein WDVS nur so gut ist wie seine Installation. Selbst das beste System versagt, wenn die Platten nicht vollflächig verklebt werden. Eine Lücke von nur zwei Zentimetern kann eine Wärmebrücke erzeugen - und die kostet mehr Energie als die gesamte Dämmung einspart.
Was kommt als Nächstes?
Die Technik entwickelt sich weiter. Sto AG hat im März 2024 ein WDVS vorgestellt, das Photovoltaik-Module direkt in die Fassade integriert - also Dämmung und Stromerzeugung in einem. Das Fraunhofer-Institut arbeitet an „intelligenten“ Systemen, die sich an Wetteränderungen anpassen: bei Regen wird die Oberfläche dichter, bei Trockenheit atmungsaktiver. Diese Technologien sind noch teuer - aber sie werden in den nächsten fünf Jahren marktreif.
Auch die Förderung wird strenger. Ab 2026 gilt in der EU: Neubauten müssen fast klimaneutral sein. Das bedeutet: Dämmung wird nicht mehr optional - sie ist Pflicht. Und wer jetzt sanieren will, profitiert von den hohen Förderungen. Wer wartet, zahlt später mehr - für Energie und für die Sanierung.
Was du jetzt tun solltest
Wenn du dein Haus sanieren willst, mach das nicht allein. Hole dir drei Angebote von zertifizierten WDVS-Fachbetrieben. Frag nach:
- Welches Dämmmaterial verwenden Sie - und warum?
- Welche Zulassung hat das System? (abZ und aBG)
- Wie wird die Wand vorher geprüft - auf Feuchtigkeit, Schimmel, Risse?
- Wie lange dauert die Installation?
- Wie hoch ist die Garantie - und wer übernimmt sie?
Und frag nach der Förderung. Die KfW zahlt bis zu 25% - aber nur, wenn du die Anträge rechtzeitig stellst. Die meisten Hausbesitzer verpassen das, weil sie zu lange warten.
Ein WDVS ist keine einfache Renovierung - es ist eine Investition in deine Zukunft. In niedrigere Heizkosten, in mehr Komfort und in einen Wert, der bleibt. Mach es richtig - und du hast 50 Jahre Ruhe.
Kann ich ein WDVS selbst installieren?
Nein. Ein WDVS ist kein Heimwerkerprojekt. Die Systeme müssen bauaufsichtlich zugelassen und fachgerecht verbaut werden. Selbst kleinste Fehler - wie eine nicht vollflächige Verklebung oder fehlende Dübel - führen zu Wärmebrücken, Schimmel oder Putzablösungen. Außerdem verlierst du die Garantie und die Förderung der KfW, wenn kein zertifizierter Fachbetrieb die Arbeit durchführt.
Welches WDVS ist am besten für alte Häuser mit feuchten Wänden?
Mineralwolle. Sie ist atmungsaktiv und reguliert die Feuchtigkeit besser als EPS oder Naturdämmstoffe. Bei Altbauten mit kapillar leitfähigen Wänden - also Ziegel oder Kalkstein - ist Mineralwolle die einzige sichere Wahl. Sie nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie wieder ab, ohne Schimmel zu fördern. EPS hingegen kann Feuchtigkeit einschließen - und das führt oft zu schwerwiegenden Schäden.
Wie lange dauert die Installation eines WDVS?
Für ein Einfamilienhaus mit etwa 150 Quadratmetern Fassadenfläche braucht ein Fachbetrieb in der Regel zwei bis vier Wochen. Das hängt von der Witterung, der Zustand der Wand und der Komplexität der Fassade ab. Die Vorbereitung - Entfernen des alten Putzes, Reparaturen, Gerüstaufbau - dauert meist drei bis fünf Tage. Die eigentliche Dämmung und Verputzung nimmt zwei bis drei Wochen in Anspruch.
Kann ich ein WDVS über einen bestehenden Putz verlegen?
Nein. Ein WDVS muss auf einer stabilen, trockenen und sauberen Tragwand montiert werden. Wenn der alte Putz locker ist, feucht oder nicht tragfähig, muss er komplett entfernt werden. Sonst droht ein vollständiger Ausfall der Dämmung - die Platten haften nicht, und die Armierungsschicht bricht. Die Kosten für die Entfernung sind zwar extra, aber sie sind notwendig. Wer hier spart, zahlt später doppelt.
Ist ein WDVS teurer als eine vorgehängte hinterlüftete Fassade?
Ja, aber nur etwas. Eine vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF) kostet zwischen 80 und 120 Euro pro Quadratmeter - also deutlich mehr als ein WDVS. Aber sie hat auch andere Vorteile: bessere Lüftung, höhere Widerstandsfähigkeit gegen Feuchtigkeit, längere Lebensdauer. Für Neubauten oder Luxus-Sanierungen ist sie eine gute Option. Für die meisten Altbauten ist ein WDVS jedoch die praktischere, günstigere und gesetzlich empfohlene Lösung.
Michael Sieland
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