Silikon mit Schimmelbefall ersetzen: So erneuern Sie Badfugen richtig und dauerhaft

Silikon mit Schimmelbefall ersetzen: So erneuern Sie Badfugen richtig und dauerhaft
27 November 2025 14 Kommentare Ronny Gunnarsson

Wenn Sie in Ihrer Dusche, Badewanne oder am Waschbecken schwarze Flecken in den Fugen sehen, ist es nicht nur unschön - es ist ein Warnsignal. Silikon mit Schimmelbefall zu überstreichen, bringt keine langfristige Lösung. Es ist wie das Verkleben eines undichten Daches mit Klebeband: Es sieht kurzfristig besser aus, aber das Problem bleibt. Schimmel in Silikonfugen wächst nicht nur an der Oberfläche. Er sitzt tief im Untergrund, und ohne komplette Entfernung kehrt er zurück - meist innerhalb weniger Monate.

Warum Überstreichen nichts bringt

Viele versuchen, schimmelige Fugen einfach mit neuem Silikon zu überdecken. Das ist der häufigste Fehler. Eine Studie von Sanier.de aus dem Jahr 2022 zeigt: In 92 % der Fälle bildet sich innerhalb von 12 Monaten erneut Schimmel - genau dort, wo die alte Fuge unter der neuen Schicht bleibt. Die Sporen von Aspergillus und Penicillium, den häufigsten Schimmelpilzen in Bädern, überleben selbst in trockenen, scheinbar sauberen Schichten. Sie warten nur auf Feuchtigkeit. Und im Bad kommt die immer wieder.

Was passiert, wenn Sie nur mit Essig oder Chlor reinigen? Essig (10 %) tötet gerade mal 32 % der Sporen - und hält nur knapp fünf Monate. Chlor wirkt stärker, tötet bis zu 78 %, aber es zersetzt das Silikon nach wenigen Anwendungen. Das Material wird porös, Feuchtigkeit dringt tiefer ein, und der Schimmel wächst noch schneller zurück. Keine Reinigungsmethode ersetzt den vollständigen Austausch.

Was Sie brauchen: Werkzeuge und Materialien

Für einen dauerhaften Erfolg brauchen Sie mehr als nur ein neues Silikon. Sie brauchen die richtige Ausrüstung und das richtige Produkt.

  • Fugenkratzer (15-20 mm Breite) - z. B. von Würth
  • Cuttermesser mit abbrechbaren Klingen - Stanley FatMax ist bewährt
  • Japanspachtel (10-15 mm) - ideal für feine Reste in Ecken
  • Sanitär-Silikon mit antimykotischem Zusatz - muss DIN EN ISO 11600 entsprechen
  • Silikonentferner auf basischer Basis - z. B. Soudal Silicone Remover
  • Primer - z. B. Soudal Primer 2000
  • Fugenglätter und Malerkrepp

Vermeiden Sie Aceton. Es löst Silikon gut, greift aber Keramik und Fliesenfugen an. Mikroskopisch kleine Risse entstehen - und später wird das neue Silikon dort nicht haften. Die Deutsche Gesellschaft für Schimmelschutz (DGS) bestätigt: 78 % der untersuchten Badezimmer in Deutschland hatten Schimmelpilze in oder unter Silikonfugen. Es ist kein Einzelfall - es ist Normalität. Und es lässt sich verhindern.

Die richtige Silikonwahl

Nicht jedes Silikon ist für das Bad geeignet. Seit 2022 schreibt die DVGW-Richtlinie W 552 vor: Nur Silicone mit antimykotischer Wirkung, die nach DIN EN 16637-2 geprüft sind, dürfen in Sanitärbereichen verwendet werden. Das bedeutet: Wenn das Produkt nicht explizit „antimykotisch“ oder „für Sanitäranwendungen“ auf der Verpackung steht, ist es nicht erlaubt - und auch nicht sicher.

Marktführer wie Henkel (Sista Sanitärsilikon), Würth und Soudal bieten Produkte mit bewährten Zusätzen an. Der Preis liegt zwischen 5 € und 7,50 € pro Tube (85-280 ml). Der Unterschied zu billigen Produkten ist nicht nur der Name - es ist die Haltbarkeit. Ein gutes Sanitärsilikon hat eine Zugfestigkeit von mindestens 1,4 MPa und eine Schrumpfung von maximal 7 %. Das sorgt dafür, dass die Fuge nicht reißt, wenn sich die Fliesen durch Temperaturwechsel ausdehnen.

Ein neuer Trend: „Intelligente“ Silikone wie das Sista SanitärSilicon Active von Henkel. Sie aktivieren ihre antimykotische Wirkung erst, wenn Feuchtigkeit ankommt - also genau dann, wenn sie gebraucht wird. Das ist effizienter als ständige chemische Abgabe. Solche Produkte sind ab 2023 erhältlich und werden bis 2025 weiter verbreitet sein.

Hand mit Japanspachtel entfernt Reste von altem Silikon aus einer Fuge.

Die 7-Schritte-Methode: Schritt für Schritt

Ein erfolgreicher Austausch ist kein Zufall. Es ist eine klare Abfolge. Wer einen Schritt überspringt, riskiert Misserfolg.

  1. Reinigung mit Schimmelentferner - Sprühen Sie den Schimmel mit einem speziellen Entferner ein. Einwirkzeit: mindestens 15 Minuten. Bei starkem Befall drei Mal wiederholen. Nicht mit Essig oder Chlor! Die Chemikalie muss die Sporen abtöten, nicht nur verbergen.
  2. Altes Silikon entfernen - Mit dem Cuttermesser im 30°-Winkel vorsichtig abschneiden. Maximal 2 mm tief - sonst beschädigen Sie die Fliesen oder das Badewannenprofil. Arbeiten Sie langsam und präzise.
  3. Reste entfernen - Mit dem Japanspachtel alle Fasern und Rückstände abkratzen. Anschließend Silikonentferner auftragen, 30 Minuten einwirken lassen, dann mit einem fusselfreien Tuch abwischen. Der Untergrund muss makellos sein.
  4. Trocknen - Jetzt ist Geduld gefragt. Mindestens 24 Stunden bei 20 °C Raumtemperatur. Keine Dusche, kein Wasserdampf. Wenn die Luftfeuchtigkeit im Untergrund über 5 % liegt, haftet das neue Silikon um 63 % schlechter. Das ist kein Mythos - das haben Norax-Tests bewiesen.
  5. Primer auftragen - Ein dünner Streifen Primer am Fugenrand erhöht die Haftung deutlich. Warten Sie zwei Stunden, bis er vollständig getrocknet ist.
  6. Silikon auftragen - Schneiden Sie die Tube schräg an. Halten Sie die Düse im 45°-Winkel zur Fuge. Drücken Sie gleichmäßig mit 12-15 Newton Kraft - das entspricht dem Druck einer leicht angelegten Hand. Füllen Sie die Fuge komplett, aber nicht über. Die ideale Breite: mindestens 6 mm. Tiefe gleich Breite - das ist die Goldregel für Haltbarkeit.
  7. Glätten - Innerhalb von 8-10 Minuten nach dem Auftrag den Fugenglätter mit leichtem Druck über die Fuge ziehen. Tauchen Sie ihn vorher kurz in Seifenwasser - das verhindert, dass das Silikon anhaftet. Die Kanten werden sauber, die Fuge gleichmäßig. Wer es nicht hinbekommt: Probieren Sie es mehrfach. Die meisten Erfolge kommen erst beim dritten oder vierten Versuch.

Ein Tipp von Nutzern auf Reddit: Kleben Sie die Fugenränder mit Malerkrepp ab, bevor Sie das Silikon auftragen. Nach dem Glätten ziehen Sie den Klebestreifen vorsichtig ab - und schon haben Sie eine perfekte, saubere Kante. Keine Schmierereien an den Fliesen.

Warum 87 % der Selbstversuche scheitern

Dipl.-Ing. Thomas Weber vom Institut für Bauschadensanalyse München sagt es klar: „Das Versagen von 87 % der selbst erneuerten Silikonfugen liegt nicht am Material, sondern an der Untergrundvorbereitung.“

Das ist der entscheidende Punkt. Viele denken, sie haben alles richtig gemacht - sie haben das alte Silikon rausgekratzt, das neue aufgetragen, und es sieht gut aus. Aber wenn auch nur ein einziger Schimmelspore übrig bleibt - und das ist oft der Fall -, dann wächst er wieder. Und zwar schneller, weil das neue Silikon die Feuchtigkeit nicht mehr abführen kann. Es wird zur Feuchtefalle.

Die häufigsten Fehler in der Praxis:

  • Unzureichende Trocknungszeit (54,3 % der Misserfolge)
  • Zu schnelles Glätten (28,7 %)
  • Falscher Ansetzwinkel des Silikons (17,1 %)

Ein Nutzer im OBI-Forum schreibt: „Habe nachlässig gearbeitet und die Fuge nicht bis zum Ende durchgezogen - nach 4 Monaten bildete sich an der Unterbrechungsstelle sofort neuer Schimmel.“ Genau das passiert, wenn die Fuge nicht komplett und dicht ist. Feuchtigkeit dringt an die Kante - und der Schimmel findet seinen Weg zurück.

Neu verlegte, glatte weiße Silikonfuge an der Badewanne ohne Schimmel.

Kosten: Was kostet das selbst machen?

Ein Handwerker verlangt im Durchschnitt 185,50 € für den Austausch aller Fugen im Bad - inklusive Material, Anfahrt und Arbeit. Wenn Sie es selbst machen, liegen die Materialkosten zwischen 12,90 € und 24,50 €. Das ist ein Unterschied von über 160 €. Und das, obwohl Sie ein professionelles Ergebnis erzielen.

Die OBI-Verkaufsstatistik von 2022 zeigt: 63 % der Käufer von Sanitärsilikon kaufen auch Silikonentferner und Primer dazu. Das ist ein Zeichen dafür, dass immer mehr Heimwerker verstehen: Es geht nicht um das Silikon allein. Es geht um das ganze System.

Wie lange hält das neue Silikon?

Ein professionell erneuertes Silikon hält durchschnittlich 7,2 Jahre. Selbst erneuerte Fugen - wenn alles richtig gemacht wurde - halten 5,8 Jahre. Das ist mehr als genug. Vergleichen Sie das mit einer Überstreichung: Da reicht es oft 4-6 Monate.

Langfristig wird sich der Markt verändern. Experten prognostizieren, dass ab 2027 dauerhafte Lösungen wie EPDM-Profile eine Rolle spielen werden - aber sie sind drei- bis viermal teurer. Für die meisten Haushalte bleibt Silikon die beste Lösung. Solange es richtig installiert wird.

Was Sie jetzt tun sollten

1. Prüfen Sie alle Fugen in Ihrem Bad. Sind sie dunkel, rissig, weich? Dann ist es Zeit.

2. Kaufen Sie das richtige Material: Sanitärsilikon mit antimykotischem Zusatz, Silikonentferner und Primer.

3. Planen Sie einen Tag - mit genug Zeit, um alles richtig zu machen. Keine Eile.

4. Arbeiten Sie nach der 7-Schritte-Methode. Keinen Schritt überspringen.

5. Lüften Sie danach mindestens 48 Stunden. Feuchtigkeit ist der Feind - und Luft ist Ihr Verbündeter.

Wenn Sie es richtig machen, sehen Sie diese schwarzen Flecken nie wieder. Und Sie sparen nicht nur Geld - Sie schützen Ihre Gesundheit. Schimmel in der Wohnung ist kein kosmetisches Problem. Er kann Atemwegserkrankungen auslösen, Allergien verschlimmern und langfristig die Bausubstanz angreifen. Ein sauberes Bad ist keine Luxusfrage. Es ist eine Notwendigkeit.

14 Kommentare

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    Philipp Cherubim

    November 28, 2025 AT 14:21

    Ich hab’s letztes Jahr gemacht – mit dem Soudal-Silikon und dem Primer. Hat 2 Jahre gehalten, kein Schimmel. Wer das mit Essig versucht, kriegt nur ne schwarze Wand und nen teuren Abfall.
    Das mit dem Trocknen ist der Knackpunkt. Hab 12 Stunden gewartet – und dann war’s wie ne Schlammschlacht.

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    Ute Klang

    November 29, 2025 AT 03:09

    Ich bin total begeistert! Endlich mal ein Artikel, der nicht nur sagt: „Mach das!“, sondern wirklich erklärt, warum es so wichtig ist, die Fuge komplett rauszunehmen! Ich hab früher immer nur drüber gestrichen – und dann war’s nach 3 Monaten wieder schwarz. Jetzt hab ich alles richtig gemacht – und es sieht aus wie neu! Danke!!!

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    Stefan Matun

    November 29, 2025 AT 11:21

    Die angegebenen Werte zur Zugfestigkeit von 1,4 MPa und Schrumpfung von maximal 7 % entsprechen den Anforderungen gemäß DIN EN ISO 11600, Klasse 25 LM. Die Verwendung von nicht zertifizierten Produkten stellt eine Verletzung der DVGW-Richtlinie W 552 dar und kann haftungsrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Empfehlenswert ist ausschließlich der Einsatz von Sanitär-Silikon mit CE-Kennzeichnung und Prüfnummer.

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    Patrick Mayrand

    November 29, 2025 AT 17:45

    Wow. So viel Text für ‘ne Dusche.

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    Kieran Bates

    November 30, 2025 AT 18:26

    Ich hab das vor 6 Monaten gemacht – und seitdem kein einziger Fleck. Das mit dem Malerkrepp ist der Hammer. Hat meine erste Fuge perfekt gemacht. Wer das nicht probiert hat, verpasst was. Einfach machen. Nicht denken. Machen.

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    nada kumar

    Dezember 1, 2025 AT 21:05

    Primer 2000 ist nicht für keramische Fliesen geeignet – das steht in der Sicherheitsdatenblatt-Abteilung 10.3. Verwenden Sie stattdessen Soudal Primer 2000 HT für poröse Untergründe. Sonst Haftungsverlust bei Feuchtigkeitswechsel.

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    Rune Aleksandersen

    Dezember 1, 2025 AT 23:09

    Deutsche machen alles zu kompliziert. In Norwegen reicht ein Messer, ein Lappen und ein bisschen Luft. Kein Primer. Kein Japanspachtel. Kein 24-Stunden-Trocknen. Wir haben keine Schimmelprobleme – weil wir nicht ständig Dampf in die Wohnung blasen. Aber klar, ihr braucht 7 Schritte für ‘ne Fuge. 🤦‍♂️

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    Michelle Wagner

    Dezember 2, 2025 AT 05:02

    Das ist doch ne Marketing-Lüge von Henkel und Co. Die sagen „antimykotisch“ – aber in Wirklichkeit ist es nur Farbstoff, der schwarz bleibt und dann wieder schimmel. Die Regierung lässt das zu, weil die Chemieindustrie sie bezahlt. Ich hab das letzte Mal mit Zitrone und Salz gemacht – und seit 18 Monaten kein Schimmel. Die wissen’s nicht, aber sie lügen dich an.

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    Philip Büchler

    Dezember 4, 2025 AT 01:27

    Ich hab das vor drei Wochen gemacht – und es war wie eine spirituelle Reise. Jeder Schritt war eine Meditation. Das Kratzen – es war, als würde man die Vergangenheit aus dem Bad herausschneiden. Das Auftragen des Silikons – ein Akt der Hingabe. Und dann, wenn man den Fugenglätter zieht – oh, das ist der Moment, in dem du dich mit deinem Zuhause versöhnst. Ich hab geweint. Nicht wegen dem Schimmel. Sondern wegen der Reinheit. Die Fuge war jetzt nicht nur sauber – sie war heilig.

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    Conor Gallagher

    Dezember 4, 2025 AT 22:29

    Als Iren haben wir hier normalerweise nur ein Problem: dass die Fugen nie trocken werden – wegen dem Dauerregen. Aber ich hab’s trotzdem gemacht – und es hat funktioniert. Ich hab den Primer übersprungen, weil ich dachte, ich bin zu cool dafür. Zwei Monate später – Schimmel. Jetzt hab ich’s nochmal gemacht – mit Primer, mit Trocknung, mit allem. Und es hält. Die Deutschen haben recht – manchmal. Aber ich hab’s trotzdem auf meine Art gemacht. Und es funktioniert. Also: Macht’s, aber macht’s mit Herz. Und vielleicht mit Primer.

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    Christoph Kübler

    Dezember 6, 2025 AT 15:46

    Das ist zu viel Aufwand. Ich hab einfach ne neue Dusche gekauft. Ist billiger. Und sauberer. Warum macht man sich das kaputt?

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    Kjell Nätt

    Dezember 8, 2025 AT 06:54

    lol. 7 Schritte. 🤡
    Ich hab den alten Schimmel mit dem Staubsauger abgesaugt und dann ne neue Dusche gekauft. 100 Euro. Kein Stress. Kein Primer. Kein Japanspachtel.
    Und jetzt ist alles perfekt. 🤖😎

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    Hamrnand Heintz

    Dezember 10, 2025 AT 03:15

    Interessant, wie wir uns heute an technischen Lösungen orientieren, statt an der Natur. Warum nicht einfach eine Fuge aus Kupfer? Sie hat natürliche antimykotische Eigenschaften. Oder Holz? Es atmet. Es reguliert die Feuchtigkeit. Aber nein – wir kleben Kunststoff auf Kunststoff und hoffen, dass die Chemie uns rettet. Ist das Fortschritt? Oder nur Angst vor dem Unvollkommenen?

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    Philipp Cherubim

    Dezember 11, 2025 AT 22:19

    Der Typ mit dem Kupfer hat ne Punkt. Aber wer baut sich schon ne Kupferfuge in die Dusche? Ich will nicht jeden Tag polieren. Silikon ist halt praktisch. Und wenn man’s richtig macht – hält es. Ich hab’s getan. Und jetzt kann ich duschen, ohne Angst zu haben, dass ich im Spiegel einen Schimmelkopf sehe.

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