Professionelle Schimmelsanierung: Kosten und Verfahren im Haus - Was wirklich zählt
Wenn du Schimmel an der Wand siehst, ist der erste Gedanke oft: Schimmelsanierung muss her. Aber was passiert wirklich hinter den Kulissen? Wie viel kostet es wirklich? Und warum funktioniert DIY oft nicht? Viele denken, ein paar Sprays aus dem Baumarkt reichen aus. Doch Schimmel ist kein Fleck, den man einfach abwischt. Es ist ein Symptom - und wenn du die Ursache nicht bekämpfst, kommt er zurück. Und zwar oft schneller und schlimmer als zuvor.
Warum professionelle Sanierung nicht nur teuer, sondern notwendig ist
Ein kleiner schwarzer Fleck im Bad - das sieht harmlos aus. Aber Schimmelpilze verbreiten sich unsichtbar. Sie wachsen hinter Tapeten, in Dämmungen, unter Fensterbänken. Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt seit 2009: Langfristige Schimmelbelastung kann Atemwegserkrankungen, Allergien und sogar Asthma auslösen. Und das gilt besonders für Kinder und ältere Menschen.
Professionelle Schimmelsanierung ist kein Luxus, sondern eine medizinische Notwendigkeit. Wer selbst versucht, größere Befälle zu beseitigen, setzt sich und seine Familie einem hohen Risiko aus. Die Sporen verbreiten sich durch die Luft, landen auf Möbeln, Kleidung, in der Klimaanlage. Selbst wenn du den Fleck entfernst, bleibt die Belastung. Und das ist der Grund, warum 65 % aller Rückfälle auf ungelöste Feuchtigkeitsprobleme zurückzuführen sind - nicht auf schlechte Sanierung.
Wie eine professionelle Schimmelsanierung abläuft - Schritt für Schritt
Es gibt keine schnelle Lösung. Eine ordentliche Sanierung dauert Tage, nicht Stunden. Und sie beginnt nicht mit dem Abkratzen, sondern mit dem Gutachten.
Schritt 1: Unabhängiges Schimmelgutachten
Bevor irgendetwas angefasst wird, muss ein zertifizierter Schimmelsachverständiger kommen. Der prüft nicht nur die sichtbaren Stellen. Er misst die Luftfeuchtigkeit, nimmt Proben aus Wand, Dämmung und Luft, dokumentiert alles mit Fotos und Labortests. Ein solches Gutachten kostet zwischen 800 und 1.000 Euro. Es ist teuer - aber es ist deine Versicherung. Denn nur mit diesem Gutachten kannst du später bei der Versicherung oder im Mietstreit beweisen, dass es sich um einen baulichen Defekt handelt - nicht um deine Schuld.
Schritt 2: Abtrennen und Schutz
Bevor die Sanierung beginnt, wird der Raum abgedichtet. Folien, Luftabsauggeräte und negative Luftdruck-Systeme verhindern, dass Sporen in andere Räume gelangen. Das ist kein Schnickschnack. Das ist Standard. Wer das weglässt, macht die ganze Sanierung sinnlos.
Schritt 3: Materialien entfernen
Befallene Tapeten, Putz, Holz, Dämmung - alles muss raus. Kein Kompromiss. Tapetenentfernung kostet 30-40 Euro pro Quadratmeter, Putz 80-100 Euro. Wer versucht, nur die Oberfläche abzuschleifen, macht es falsch. Der Schimmel sitzt tiefer. Und wenn du ihn nicht komplett entfernst, wächst er nach.
Schritt 4: Desinfektion und Trocknung
Nach dem Abtragen wird die Oberfläche gründlich desinfiziert. Das kostet 10-15 Euro pro Quadratmeter. Aber das ist nur die Hälfte. Jetzt kommt der wichtigste Teil: Die Wand muss komplett trocknen. Das dauert Tage. Und zwar nicht nur, weil es „nicht nass“ ist. Es muss die gleiche Feuchtigkeit wie die umgebenden Wände haben. Sonst entsteht ein neuer Feuchtigkeitsgradient - und der Schimmel kommt zurück.
Schritt 5: Neue Oberfläche aufbringen
Nicht jeder Putz ist gleich. Normaler Kalkputz hält Feuchtigkeit zurück. Ein diffusionsoffener Kalkputz dagegen lässt sie entweichen. Das ist der Unterschied zwischen einer schnellen Reparatur und einer dauerhaften Lösung. Die Kosten liegen bei 20-40 Euro pro Quadratmeter. Und ja, das macht den Preis aus. Aber es verhindert, dass du in zwei Jahren wieder anfangen musst.
Schritt 6: Kontrollmessung
Nach der Sanierung wird nochmal Luft und Wand gemessen. Ein letzter Test, um zu zeigen: Der Schimmel ist weg. Die Luft ist sauber. Das kostet 100-150 Euro pro Probe. Und es ist der einzige Beweis, dass die Sanierung funktioniert hat.
Kosten: Was du wirklich bezahlst - und warum die Preise so unterschiedlich sind
Die Preise für Schimmelsanierung schwanken wie der Aktienmarkt. Warum? Weil viele Anbieter nur den Befall sehen - nicht die Ursache. Ein seriöser Anbieter rechnet mit 30-40 % Mehrkosten, weil er weiß: Was du nicht siehst, ist oft das Problem.
Leichter Befall (unter 10 m²)
Nur Oberflächenbefall, keine Dämmung betroffen. Kosten: 100-150 Euro pro Quadratmeter. Ein kleines Badezimmer mit 5 m²: 600-800 Euro.
Mittelschwerer Befall (10-20 m²)
Teilweise Dämmung befallen, Feuchtigkeit aus Baufehler. Kosten: 190-280 Euro pro Quadratmeter. Ein Wohnzimmer mit 15 m²: 2.850-4.200 Euro.
Schwerer Befall (über 20 m²)
Großflächige Schäden, Dämmung, Holzkonstruktionen betroffen. Kosten: 300-420 Euro pro Quadratmeter. Hier werden schnell 10.000 Euro und mehr fällig.
Und das ist nur der Anfang. 68 % der Sanierungen überschreiten die ursprüngliche Kalkulation - laut Checknatura.de um durchschnittlich 27 %. Warum? Weil hinter der Tapete noch mehr Schimmel war. Weil die Dämmung nass ist. Weil die Wand von innen feucht ist. Das kann man nicht sehen - bis man anfängt, abzutragen.
Und dann gibt es noch die Billiganbieter. Die bieten 80 Euro pro Quadratmeter. Aber wer das macht, spart bei Sicherheit. Kein Schutzraum, keine Proben, kein Gutachten. Und oft: Keine Garantie. Die Deutsche Gesellschaft für Schimmelsanierung (DGZS) warnt ausdrücklich: Anbieter unter 100 Euro/m² vernachlässigen die gesetzlichen Standards.
Alternativen: NCT-Technologie und chemische Sanierung im Vergleich
Nicht alle Sanierungen sind gleich. Es gibt zwei Hauptwege: chemisch oder technisch.
Chemische Sanierung
Hier werden antimikrobielle Mittel aufgetragen. Sie töten den Schimmel, aber nicht die Sporen. Die Kosten liegen bei 120-160 Euro pro Quadratmeter. Schnell, günstig - aber oft nur eine temporäre Lösung. Die Sporen bleiben. Und wenn die Feuchtigkeit zurückkommt, wächst der Schimmel neu.
NCT-Technologie (Nanocellulose)
Das ist die Zukunft. Statt Chemie wird ein natürlicher, diffusionsoffener Belag aufgetragen, der Schimmel nicht tötet - sondern ihn gar nicht erst wachsen lässt. Die Oberfläche reguliert die Feuchtigkeit selbst. Die Kosten liegen bei 250-300 Euro pro Quadratmeter. Höher - aber mit einer Haltbarkeit von bis zu 30 Jahren. Und ohne Chemikalien. Ab 2026 ist diese Technologie flächendeckend verfügbar. Wer langfristig denkt, zahlt hier mehr - aber weniger langfristig.
DIY-Sanierung? Nur bei Flächen unter 0,5 m² sinnvoll. Und selbst dann: Schutzausrüstung, Desinfektionsmittel, Abfallentsorgung - das kostet auch 60-120 Euro. Und du bist nicht geschützt, wenn es später zu Gesundheitsproblemen kommt.
Was du vorher wissen musst - und wie du dich vor Betrug schützt
Der Markt ist voll von Anbietern. Über 1.200 Firmen bieten Schimmelsanierung in Deutschland an. Aber nur 38 % des Marktes werden von den Top 10 kontrolliert. Die anderen? Viele sind Handwerker, die nebenbei Schimmel entfernen. Kein Gutachter, kein Zertifikat, keine Garantie.
So schützt du dich:
- Verlange ein unabhängiges Gutachten. Nicht von dem Unternehmen, das später sanieren soll. Das ist ein klarer Interessenkonflikt. Die Verbraucherzentrale warnt davor.
- Frage nach Zertifizierungen. DGZS, Baudoktor, Schimmelsachverständiger - das sind die Standards.
- Verlange eine mindestens 2-jährige Garantie. Wer das nicht bietet, hat Angst vor Rückfällen.
- Frage nach 3D-Befallskartierung. Firmen, die das nutzen, haben 37 % weniger Rückfälle.
- Vermeide Angebote unter 100 Euro/m². Die sind zu gut, um wahr zu sein.
Und vergiss nicht: Ein guter Anbieter erklärt dir alles. Er zeigt dir Fotos, erklärt die Ursache, sagt dir, wie du zukünftig Feuchtigkeit vermeidest. Wer nur ein Angebot ausdruckt und verschwindet - lauf weg.
Was du nach der Sanierung tun musst - sonst kommt er zurück
Die teuerste Sanierung ist sinnlos, wenn du danach weiter so lebst wie vorher.
Die Baubiologie-Akademie Rosenheim empfiehlt: Halte die Luftfeuchtigkeit zwischen 45 % und 55 %. Das ist der Goldstandard. Wie? Durch regelmäßiges Stoßlüften - mindestens 3-4 Mal täglich, 5-10 Minuten pro Mal. Kein Kippen. Kein Dauerlüften. Stoßlüften. Und das auch im Winter.
Vermeide Trockner in schlecht belüfteten Räumen. Trockne Wäsche nicht im Schlafzimmer. Vermeide große Pflanzen in dunklen Ecken. Und achte auf undichte Fenster, feuchte Kellerwände, kaputte Dachrinnen. Die Ursache ist nie der Schimmel. Die Ursache ist immer die Feuchtigkeit.
Wenn du das beachtest, bleibt der Schimmel weg. Und das ist der einzige Preis, den du wirklich zahlen musst - nicht der für die Sanierung, sondern der für das Verhalten danach.
Die Zukunft: Was sich 2026 ändert - und warum du jetzt handeln solltest
Ab 2027 wird es in Deutschland eine bundesweite Qualifikationspflicht für Schimmelsachverständige geben. Bis dahin ist der Markt noch unreguliert. Das bedeutet: Wer jetzt einen seriösen Anbieter findet, hat einen Vorteil. Denn in zwei Jahren wird es teurer, und die Nachfrage wird steigen.
Die EU-Richtlinie 2025/1847, die seit Januar 2026 gilt, schreibt standardisierte Gutachten und Protokolle vor. Das ist gut. Es bringt mehr Transparenz. Aber es bedeutet auch: Nur noch zertifizierte Firmen dürfen arbeiten. Die kleinen, unqualifizierten Anbieter werden verschwinden. Und die Preise steigen.
Der Markt wächst. 2025 lag das Volumen bei 1,2 Milliarden Euro. Bis 2028 soll es auf 1,8 Milliarden Euro steigen. Warum? Weil immer mehr Menschen wissen: Schimmel ist kein Schönheitsfehler. Er ist eine Gesundheitsgefahr. Und weil die Altbauten in Deutschland immer älter werden - und die Feuchtigkeit nicht verschwindet, nur weil wir sie ignorieren.
Wenn du Schimmel hast - zögere nicht. Ein Gutachten kostet 800 Euro. Aber ein falscher Schritt kostet dir Gesundheit, Geld und Nerven. Die beste Investition ist nicht die billigste. Die beste Investition ist die, die funktioniert - und nicht zurückkommt.