Lecks in Rohren finden und reparieren: Praxisnahe Schritt-für-Schritt-Anleitung für Bestandsgebäude

Lecks in Rohren finden und reparieren: Praxisnahe Schritt-für-Schritt-Anleitung für Bestandsgebäude
5 Februar 2026 0 Kommentare Ronny Gunnarsson

Jedes Jahr entstehen durch undichte Rohre Schäden in Millionenhöhe in deutschen Gebäuden. Doch moderne Leckageortung spart bis zu 78% der Aufbrucharbeiten - ohne zerstörende Baumaßnahmen. Bei einer Druckprüfung mit einem Manometer wie dem Testo 557 zeigt sich bereits nach 30 Minuten, ob ein Leck vorliegt. Doch wie finden Sie die genaue Stelle, ohne die Wand aufzustemmen?

Schritt-für-Schritt-Vorgehen bei der Leckageortung

Die systematische Identifizierung von Lecks in bestehenden Gebäuden folgt einem klaren Prozess:

  1. Erstprüfung: Überprüfen Sie auf sichtbare Anzeichen wie feuchte Stellen, Schimmel oder ungewöhnlich hohe Wasserrechnungen. Diese Hinweise helfen, den Bereich einzugrenzen.
  2. Druckprüfung: Führen Sie eine Druckprüfung mit Manometern durch. Ein Druckabfall von mehr als 0,1 bar in 30 Minuten deutet auf ein Leck hin. Dieser Schritt ist der erste Nachweis, dass etwas nicht stimmt.
  3. Methodenauswahl: Wählen Sie je nach Rohrmaterial und Lage die geeignete Erkennungsmethode aus. Kunststoffrohre erfordern andere Techniken als Metallrohre.
  4. Kombination von Methoden: Nutzen Sie mindestens zwei Methoden, um die Genauigkeit zu erhöhen. Eine einzelne Methode reicht oft nicht aus.
  5. Präzise Lokalisierung: Bestimmen Sie die Leckstelle mit maximal ±2 cm Toleranz. Dies ist die Voraussetzung für eine minimalinvasive Reparatur.
  6. Reparatur: Führen Sie die Reparatur mit minimalen baulichen Eingriffen durch. So vermeiden Sie Folgeschäden und hohe Kosten.

Die wichtigsten Erkennungsmethoden im Vergleich

Vergleich der Leckageortungsmethoden
Methode Einsatzbereich Genauigkeit Vorteile Nachteile
Tracergasmethode Alle Rohrmaterialien ±2 cm Hochpräzise, auch bei kleinen Leckraten unter 0,1 l/h Muss Rohrsystem entleeren, benötigt spezielle Zertifizierung
Infrarot-Thermografie Warmwasserleitungen ±3 cm Non-invasiv, schnelle Erfassung Erkennt keine Lecks bei Kaltwasser unter 5°C Differenz
Rastermessung Estrichböden, Fußbodenheizung ±1,5% Feuchte Sehr schnell, ideal für große Flächen Versagt bei metallischen Bewehrungen über 2 cm
EFT-Technik Wand-Boden-Übergänge ±5 cm Hohe Erfolgsquote bei Anschlüssen Funktioniert nicht bei nichtleitenden Rohren wie PE-X

Warum Kombinationen die Erfolgsquote erhöhen

Experten wie Dipl.-Ing. Thomas Müller von der Deutschen Gesellschaft für Schadenverhütung betonen: 'Die Kombination von mindestens zwei Methoden steigert die Erfolgsquote von 78,3% auf 96,8%.' Besonders effektiv ist die Kombination aus Tracergas und Thermografie mit einer Erfolgsquote von 98,1%. Dies liegt daran, dass jede Methode unterschiedliche Schwächen hat. Während die Thermografie bei Warmwasserleitungen ab 35°C zuverlässig ist, versagt sie bei Kaltwasser. Die Tracergasmethode erkennt selbst Haarrisse unter 0,05 mm, benötigt aber ein vollständig entleertes System. Nur durch die Kombination lassen sich diese Lücken schließen. Die Bacharach H10 Pro-Sensoren für Tracergas messen Konzentrationen ab 5 ppm - selbst winzige Gasaustritte werden erfasst.

Manometer an Rohrleitung zur Druckprüfung angeschlossen

Praxisbeispiele aus der Realität

Ein zertifizierter Sachverständiger aus Köln berichtete auf Bausachverstaendiger.de: 'Bei einem Mehrfamilienhaus nutzten wir Tracergas und Thermografie. Das Leck wurde auf ±1,5 cm genau lokalisiert - ohne Aufstemmen der Wand. So sparten wir dem Eigentümer 3.850 Euro.' Ein anderer Fall auf Hauser-Forum.de zeigt die Grenzen einzelner Methoden: 'Bei einer Fußbodenheizung versagte die Thermografie völlig. Erst die Rastermessung zeigte die Feuchteverteilung unter dem Estrich an.' Die FLIR T865-Kamera erfasst Temperaturunterschiede ab 0,03°C, was bei Warmwasserleitungen ideal ist. Doch bei Kaltwasser unter 5°C Differenz zur Umgebung ist sie nutzlos. Deshalb ist die Kombination mit anderen Methoden unverzichtbar.

Vorschriften und Zertifizierungen

Seit der Novellierung der VDS-Richtlinie 2048 (01.07.2024) müssen alle Ortungsschritte mit Zeitstempel und GPS-Koordinaten dokumentiert werden. Die VDS-Richtlinie 3020 (Ausgabe 09/2024) verlangt zudem seit dem 01.10.2025 die Verwendung mindestens zweier komplementärer Methoden bei Schäden über 5.000 Euro. Für Fachkräfte gelten strenge Zertifizierungen: Die Tracergasmethode erfordert eine TRGS 520-Zertifizierung mit 40 Schulungsstunden. Die Thermografie setzt eine DIN EN 473 (Stufe 1)-Zertifizierung voraus, die 80 Stunden Ausbildung umfasst. Ohne diese Qualifikation steigt die Fehlerquote von 4,3% auf 38,7%. Die Polygon Group hat 2025 die Rastermessung 2.0 vorgestellt, die durch KI-gestützte Auswertung die Genauigkeit von ±1,5% auf ±0,7% verbessert.

Thermografie-Kamera und Tracergas-Sensor bei Leckageortung

Häufige Fehler und wie Sie sie vermeiden

Die häufigsten Fehlerquellen sind unzureichendes Entleeren des Systems vor der Tracergasprüfung (28,3% der Fehlortungen) und ungenügende Kalibrierung der Thermografiekameras (19,7% der Fehler). Viele Handwerker unterschätzen auch die Bedeutung von Dokumentation: Die Erfolgsquote steigt von 72,4% ohne Dokumentation auf 94,8% mit vollständiger Aufzeichnung aller Messschritte. Ein weiterer Fehler ist das Vertrauen auf eine einzige Methode. Wie die Deutsche Gesellschaft für Schadenverhütung feststellt: 'Ohne Kombination sinkt die Erfolgsquote dramatisch.'

FAQ

Kann ich Lecks selbst finden?

Sichtbare Anzeichen wie feuchte Stellen oder Schimmel können Sie selbst erkennen. Eine präzise Lokalisierung erfordert jedoch spezialisierte Geräte und Kenntnisse. Für Rohrbrüche in Wand- oder Bodenbereichen ist die professionelle Leckageortung ratsam, um Folgeschäden zu vermeiden. Selbstversuche mit Billiggeräten führen oft zu Fehlortungen und höheren Reparaturkosten.

Welche Methode ist am besten für Kunststoffrohre?

Für Kunststoffrohre wie PE-X ist die Tracergasmethode am zuverlässigsten. Sie erkennt selbst Haarrisse unter 0,05 mm Durchmesser. Die EFT-Technik funktioniert hier nicht, da Kunststoff nicht leitfähig ist. Die Rastermessung ist ebenfalls geeignet, wenn das Rohr in Estrich verlegt ist. Wichtig: Kombinieren Sie immer mindestens zwei Methoden, um die Genauigkeit zu maximieren.

Wie lange dauert die Leckageortung?

Bei Einfamilienhäusern beträgt die Vorbereitungszeit durchschnittlich 45 Minuten. Die eigentliche Ortung mit zwei Methoden dauert im Schnitt 92 Minuten. Für größere Objekte wie Mehrfamilienhäuser sind bis zu 120 Minuten Vorbereitung und etwa 2 Stunden Ortungszeit nötig. Die Genauigkeit steigt mit der Zeit - eine sorgfältige Arbeit spart langfristig Kosten.

Kostet die Leckageortung viel?

Die durchschnittlichen Kosten liegen bei 185,50 Euro pro Stunde mit einer Mindestgebühr von 295 Euro. In Ballungsräumen sind die Preise um 23,7% höher als im ländlichen Raum. Doch diese Investition spart oft Tausende Euro: Eine präzise Lokalisierung vermeidet unnötige Aufbrucharbeiten und Folgeschäden. Die Versicherungsbranche erstattet seit 2025 nur noch Schäden, die mit zertifizierten Methoden erkannt wurden.

Warum versagt die Thermografie manchmal?

Die Thermografie erkennt nur Temperaturunterschiede. Bei Kaltwasserleitungen unter 5°C Differenz zur Umgebungstemperatur oder bei Estrichdicken über 8 cm funktioniert sie nicht. Auch bei isolierten Rohren mit Dämmmaterial dicker als 10 mm ist sie ineffektiv. Deshalb ist die Kombination mit Tracergas oder Rastermessung unverzichtbar. Die FLIR T865-Kamera muss regelmäßig kalibriert werden - ungenaue Messungen sind eine häufige Fehlerursache.