Gipskartonplatten: Einsatz und Verarbeitung im Trockenbau - Praxisratgeber für Heimwerker und Profis

Gipskartonplatten: Einsatz und Verarbeitung im Trockenbau - Praxisratgeber für Heimwerker und Profis
16 Februar 2026 1 Kommentare Ronny Gunnarsson

Stell dir vor, du willst eine neue Wand im Wohnzimmer einziehen - aber nicht mit Ziegelsteinen, nicht mit Beton, nicht mit nasser Mörtelmasse. Sondern in einem Tag, ohne Staubwolken, ohne wochenlanges Trocknen, ohne Lasten, die die Decke belasten. Das geht mit Gipskartonplatten. Sie sind der unsichtbare Held des modernen Innenausbaus. In Deutschland wird jede zweite Innenwand heute mit ihnen gebaut. Warum? Weil sie einfach, schnell und präzise funktionieren - wenn man sie richtig verarbeitet.

Was sind Gipskartonplatten wirklich?

Gipskartonplatten, kurz GKB, bestehen aus zwei Schichten: einem Kern aus feinvermahltem Gips, der zwischen zwei Papierlagen eingeschlossen ist. Das ist kein Zufall. Der Gipskern hält Wärme, dämpft Schall und ist schwer entflammbar. Die Kartonummantelung gibt Halt, ermöglicht das Verschrauben und sorgt dafür, dass die Platte nicht auseinanderbricht, wenn du sie transportierst oder schneidest. Die erste industrielle Herstellung begann 1917 in den USA, in Deutschland machte Rigips 1931 den Durchbruch. Seitdem hat sich nichts Wesentliches geändert - aber wie man sie verwendet, hat sich extrem verfeinert.

Standardmaße sind 1250 mm breit und 2500 bis 3000 mm lang. Die Dicke variiert von 9,5 mm bis 18 mm. Die meistverwendete Platte? Die 12,5 mm starke. Sie wiegt nur etwa 9,5 kg pro Quadratmeter. Das ist weniger als die Hälfte einer Ziegelwand. Und das macht den Unterschied: Du kannst sie alleine aufhängen. Kein Kran. Kein Gerüst. Kein Baugrundstück, das bricht.

Die drei Haupttypen - und wo sie eingesetzt werden

Nicht alle Gipskartonplatten sind gleich. Es gibt drei klare Kategorien, und du musst die richtige wählen - sonst hast du später Probleme.

  • Standard-GKB (weiß): Für trockene Räume wie Wohnzimmer, Schlafzimmer oder Arbeitsräume. Sie sind preisgünstig und einfach zu verarbeiten. Aber: Kein Kontakt mit Wasser!
  • GKBI (grün): Feuchtigkeitsbeständig. Ideal für Badezimmer, Küche oder Waschküche. Der grüne Karton ist speziell behandelt, sodass er nicht aufquillt, wenn die Luft feucht ist. Trotzdem: Keine direkte Wassereinwirkung wie Dusche oder Badewanne. Dafür brauchst du Fliesen.
  • GKF (grau): Feuerhemmend. Wird in Treppenhäusern, Fluren oder an Trennwänden zwischen Wohnungen eingesetzt, wo Brandschutz vorgeschrieben ist. Der Gipskern enthält Glasfasern, die die Ausbreitung von Flammen verlangsamen. In Mehrfamilienhäusern ist diese Platte Pflicht.

Wenn du in einem Haus mit 30 Jahren Baujahr arbeitest und eine neue Wand in den Flur setzt, brauchst du GKF. Wenn du ein Badezimmer umbaust, nimm GKBI. Und für dein Home-Office? Standard-GKB reicht völlig.

Wie wird eine Trockenbauwand aufgebaut?

Es ist kein Zufall, dass ein Profi eine Wand in acht Stunden aufbaut - es ist ein System. Und das System hat klare Regeln.

  1. Aufmaß nehmen: Messen, messen, messen. Nicht schätzen. Eine Millimeterabweichung führt später zu Rissen. Nutze ein Metallmaßband - nicht ein flexibles Band.
  2. UW-Profile vorbereiten: Diese U-förmigen Metallprofile werden am Boden und an der Decke befestigt. Dafür brauchst du Klappdübel. Sie halten bis zu 35 kg - mehr als genug für eine Wand. Wichtig: Vor dem Anbringen ein Dichtband aufkleben. Das verhindert, dass Schall durch den Boden oder die Decke wandert. Ohne dieses Band sinkt der Schallschutz von 45 dB auf unter 30 dB - das ist wie ein Flüstern durch die Wand.
  3. CW-Profile setzen: Die senkrechten Profile werden im Abstand von 62,5 cm eingesetzt. Warum genau so? Weil Gipskartonplatten 125 cm breit sind. Damit fällt die Fuge genau zwischen zwei Profile. Keine Fuge über der Mitte - das ist die Grundregel. Wer das ignoriert, bekommt später Risse.
  4. Platten verschrauben: Nutze Schnellbauschrauben. Sie haben einen dünnen Schaft, der nicht durch den Karton drückt. Abstand: 25 cm. Tiefe: so, dass der Kopf gerade im Karton verschwindet - nicht tiefer. Wenn du zu tief schraubst, reißt der Karton. Das haben viele Heimwerker schon gelernt: „Schraubenköpfe sind herausgebrochen, weil ich zu tief geschraubt habe.“
  5. Zweite Lage versetzt verlegen: Bei doppelten Wänden (z. B. für Schallschutz) wird die zweite Lage um mindestens 45 cm versetzt. So entstehen keine Kreuzfugen. Und Kreuzfugen sind die Hauptursache für Risse.
  6. Dehnungsfugen einhalten: Lass 3-5 mm Abstand zur Wand, 3 mm zur Decke und zum Boden. Sonst drückt die Platte beim Ausdehnen. Ein Meterstab als Abstandhalter unter die Platte legen - einfach, aber effektiv.
Querschnittsansicht dreier Gipskartonplatten-Typen: weiß, grün und grau mit inneren Schichten und Materialkennzeichnungen.

Warum Schall- und Brandschutz so oft scheitern

Ein häufiger Fehler: Man baut die Wand, verputzt sie, und dann ist der Schall da. Die Nachbarn hören den Fernseher. Der Flur ist zu laut. Warum? Weil die Dichtbänder vergessen wurden. Oder die Mineralwolle fehlt.

Die beste Schalldämmung erreicht man mit drei Dingen: Dichtband an den UW-Profile, Mineralwolle in den Zwischenräumen der CW-Profile, und eine doppelte Plattenlage mit Luftspalt. Ohne das ist die Wand nur eine dünne Papierwand. Experten wie Prof. Dr. Anja Schulze von der TU München sagen: „Falsch verarbeiteter Schallschutz ist teurer als ein neuer Bau.“

Brandschutz funktioniert ähnlich. GKF-Platten allein reichen nicht. Du brauchst auch feuerhemmende Dichtmassen an den Fugen. Und keine Kabelkanäle durch die Wand bohren, ohne sie mit feuerhemmendem Material zu verschließen. Ein kleiner Fehler - und die ganze Brandschutzklasse ist weg.

Was kostet das? Und wer macht es?

Ein Quadratmeter Gipskartonwand kostet zwischen 25 und 40 Euro - Material und Montage. Das ist günstiger als ein Ziegelmauerwerk, das 80-100 Euro kostet. Und du sparst Zeit: Eine Wand in einem Zimmer? Ein Tag. Eine Ziegelwand? Drei bis fünf Tage.

Der Markt für Trockenbau in Deutschland ist riesig: 1,2 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr. Rigips hat 65 Prozent davon, Knauf 25 Prozent. Die Nachfrage steigt um 3,8 Prozent jährlich - vor allem durch Home-Offices, Renovierungen und die Sanierung alter Gebäude. In neuen Wohnungen wird fast jede Wand als Trockenbau gebaut. In Altbauten wird es immer beliebter, weil man keine Lasten auf die Decke legen will.

Die größten Fehler - und wie du sie vermeidest

Die meisten Probleme kommen nicht von schlechtem Material. Sie kommen von falscher Verarbeitung.

  • Zu schnelles Verspachteln: Eine Nutzerin schrieb im HORNBACH-Forum: „Habe die zweite Verspachtelung nach 2 Stunden gemacht - Ergebnis: bröckelnder Untergrund.“ Fugenmasse braucht 4-6 Stunden, um zu trocknen. Drücke nicht drauf. Lass sie arbeiten.
  • Keine Abschrägung der Kanten: Die Kanten der Platten müssen mit 35 Grad abgeschrägt sein. Nur so kann die Fugenmasse richtig eingearbeitet werden. Sonst entstehen Risse, wenn sich die Platte ausdehnt. Rigips-Technikchef Markus Weber sagt: „Das ist die wichtigste Regel - und die wird am häufigsten ignoriert.“
  • Falsche Schrauben: Keine Holzschrauben! Keine Metallschrauben! Nur Schnellbauschrauben. Sie sind speziell für Gipskarton entwickelt. Andere reißen den Karton auf.
  • Keine Dehnungsfugen: Wenn du die Platte direkt an die Wand drückst, entstehen Risse. Das ist physikalisch. Die Platte dehnt sich. Die Wand nicht. Also muss ein Spielraum sein.

Ein Erfolgsgeschichte aus Reddit: „Mit Rigips RF 12,5 mm und zwei Lagen Fugenmasse hält die Wand seit drei Jahren ohne Risse.“ Das ist kein Zufall. Das ist korrekte Verarbeitung.

Professioneller Trockenbauer legt doppelt verlegte Platten mit Dehnungsfugen und Dichtband in einem Flur.

Was kommt als Nächstes?

Die Technik entwickelt sich. Rigips hat 2023 die erste CO₂-neutrale Gipskartonplatte vorgestellt - aus 97 Prozent Recyclingmaterial. Und ab 2024 sollen intelligente Platten auf den Markt kommen, die Feuchtigkeit messen und per App warnen, wenn es zu feucht wird. Das ist kein Science-Fiction. Das ist jetzt.

Der Markt wächst. Die Qualität steigt. Aber es gibt auch Warnungen: Prof. Dr. Klaus Meier von der FH Münster sagt: „Wir sehen schon Qualitätsverluste durch preisgetriebene Aufträge.“ Wenn jemand eine Wand für 15 Euro pro Quadratmeter anbietet, dann stimmt etwas nicht. Gipskarton ist kein Billigprodukt. Es ist ein präzises System - und das kostet seinen Preis.

Was ist die Alternative?

Gipsfaserplatten sind eine Option. Sie sind schwerer (11,5 kg/m²), aber stabiler, diffusionsoffen und eignen sich besser für Nassbereiche. Aber: Sie sind teurer, schwerer zu schneiden und schwerer zu verschrauben. Für die meisten Anwendungen im Wohnbau ist Gipskarton immer noch die beste Wahl - einfach, schnell, günstig.

Warum ist Trockenbau die Zukunft?

Weil er flexibel ist. Weil er schnell ist. Weil er Platz spart. Weil er die Statik nicht überlastet. Und weil er sich leicht ändern lässt. Du willst dein Home-Office in eine Kinderzimmer verwandeln? Mit einer Trockenbauwand? In einem Tag. Mit Ziegelsteinen? In einem Monat. Und mit viel mehr Lärm, Staub und Kosten.

Die Zahlen sprechen für sich: Über 90 Prozent aller nicht-tragenden Wände in Deutschland sind heute Trockenbau. Und bis 2026 wird dieser Anteil auf 95 Prozent steigen. Das ist kein Trend. Das ist die Norm geworden.

Kann ich Gipskartonplatten selbst verlegen?

Ja, das ist durchaus möglich - besonders für einfache Wände in trockenen Räumen. Du brauchst Grundkenntnisse im Umgang mit Werkzeugen, ein paar Hilfsmittel (Wasserwaage, Schraubenzieher, Blechschere) und vor allem Geduld. Die wichtigste Regel: Lass dir Zeit. Keine Eile. Die meisten Fehler passieren, wenn man schnell arbeitet. Lies die Herstelleranleitungen, achte auf Abstände, Dichtbänder und Trocknungszeiten. Wenn du unsicher bist, hol dir einen Profi für die erste Wand - dann weißt du, wie es richtig geht.

Wie viel Gewicht kann eine Gipskartonwand tragen?

Eine einzelne Schraube in einer 12,5 mm starken Platte hält bis zu 6 kg bei Zugbelastung - das reicht für Bilderrahmen, Kleiderhaken oder kleine Regalstützen. Für schwerere Lasten wie Kühlschränke oder große Regale brauchst du spezielle Hintergrundanker oder Holzbohlen hinter der Wand. Klappdübel in den Metallprofilen halten bis zu 35 kg - das ist für schwere Einbauschränke ausreichend. Aber immer: die Last auf die Profile verlagern, nicht auf die Platte.

Welche Platte brauche ich für das Badezimmer?

Für Badezimmer verwendest du immer feuchtigkeitsbeständige Gipskartonplatten (GKBI, grün). Sie vertragen hohe Luftfeuchtigkeit, aber kein direktes Wasser. Also: Keine Duschwand aus Gipskarton. Dafür brauchst du Fliesen auf einer wasserdichten Unterlage. Gipskarton ist die Grundlage - nicht die Endbeschichtung. Die Platte muss unter Fliesen liegen, nicht sichtbar sein.

Warum entstehen Risse in Gipskartonwänden?

Risse entstehen meist durch vier Ursachen: 1) Fehlende Dehnungsfugen (Platte ist zu eng an Wand oder Decke), 2) Falsche Fugenverarbeitung (zu wenig Fugenmasse, zu schnelles Trocknen), 3) Keine Abschrägung der Kanten (sorgt für schlechte Haftung), 4) Schlechte Unterkonstruktion (zu weite Abstände zwischen Profilen). Die meisten Risse sind vermeidbar - wenn du die Grundregeln befolgst.

Wie lange hält eine Gipskartonwand?

Eine richtig verarbeitete Gipskartonwand hält mindestens 50 Jahre - oft länger. Es gibt Gebäude aus den 1960er Jahren, in denen die originalen Gipskartonwände noch intakt sind. Der Gipskern ist chemisch stabil, der Karton ist nicht anfällig für Schimmel, wenn er trocken bleibt. Der Lebenszyklus ist also lang - vorausgesetzt, du vermeidest Feuchtigkeitsschäden, mechanische Überlastung und falsche Verarbeitung.

1 Kommentare

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    Nicole L

    Februar 16, 2026 AT 19:33

    Ich hab letztens meine neue Wand mit GKBI gebaut – und ja, ich hab das Dichtband vergessen. Zwei Monate später: Schimmel an der Ecke. Jetzt muss ich alles rausreißen. Leute, lasst euch nicht von der Eile täuschen. Die kleinen Dinge zählen.
    Ich hab’s gelernt. Schwer.

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