Gesamtfassadenkosten: So planen Sie Ihr Budget für Fassadensanierungen realistisch
Wenn Sie Ihre Fassade sanieren wollen, dann ist die erste Frage nicht: Welches Material? Sondern: Wie viel kostet das wirklich? Viele Hausbesitzer starten mit einer Schätzung, die am Ende um 30, 40, sogar 50 Prozent unter dem tatsächlichen Preis liegt. Und plötzlich steht die Sanierung still - weil das Geld nicht reicht. Das muss nicht sein. Mit einer realistischen Budgetplanung vermeiden Sie Überraschungen, Stress und teure Nachbesserungen.
Was macht die Gesamtfassadenkosten aus?
Ein typisches Projekt besteht aus diesen fünf Hauptkostenblöcken:
- Abtragung und Vorbereitung: Alte Putze, Schimmelbefall, lose Steine, Risse - alles muss entfernt werden. Das ist oft der teuerste Teil, weil er nicht sichtbar ist, bis man anfängt.
- Dämmung: Hier entscheidet sich, ob die Sanierung energieeffizient wird. Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS) sind der Standard, aber es gibt auch Innendämmung oder Holzfaserplatten.
- Beschichtung: Putz, Farbe, Klinker, Faserzementplatten - jede Oberfläche hat andere Kosten und Haltbarkeit.
- Gerüst und Sicherheit: Ein Gerüst kostet pro Quadratmeter Fassade, nicht pro Tag. Und es bleibt oft länger als geplant, wenn das Wetter schlecht ist.
- Zusatzleistungen: Fensterrahmen abdichten, Dachüberstände anpassen, Regenrinnen erneuern, Lüftungsanlagen neu anschließen - das wird oft vergessen.
Ein Haus mit 150 Quadratmeter Fassadenfläche in Norddeutschland kostet bei mittlerer Qualität zwischen 25.000 und 35.000 Euro. Das klingt viel, aber es ist realistisch. Wer nur 15.000 Euro budgetiert, der wird enttäuscht.
Kosten pro Quadratmeter: Was Sie wirklich zahlen
Die Aussage „Fassadensanierung kostet 80 Euro pro Quadratmeter“ ist irreführend. Das ist der Preis für eine billige Standardlösung - und nur für das Material. Hier sind die realistischen Preisspannen für 2026, basierend auf aktuellen Handwerkerangeboten aus Niedersachsen und Hamburg:
| Sanierungsart | Materialkosten pro m² | Arbeitskosten pro m² | Gesamtkosten pro m² |
|---|---|---|---|
| WDVS mit Standardputz | 25-35 € | 35-45 € | 60-80 € |
| WDVS mit hochwertigem Silikatputz | 30-40 € | 40-55 € | 70-95 € |
| Vollwärmeschutz mit Mineralwolle und Faserzement | 45-60 € | 50-70 € | 95-130 € |
| Klinkerfassade (Neuverkleidung) | 70-100 € | 60-85 € | 130-185 € |
| Holzfaserdämmung mit Lehmputz | 40-55 € | 45-60 € | 85-115 € |
Die Preise gelten für eine durchschnittliche Gebäudehöhe von zwei bis drei Geschossen. Bei Dachgeschossen oder sehr hohen Fassaden kommen bis zu 20 Prozent mehr hinzu - weil das Gerüst komplizierter aufgebaut werden muss und die Arbeiten langsamer laufen.
Ein wichtiger Punkt: Materialkosten sind nur die Hälfte der Wahrheit. Die Arbeitskosten steigen jedes Jahr. Im Jahr 2023 lag der Lohnanstieg für Handwerker bei 6,3 Prozent, 2024 bei 7,1 Prozent. Für 2025 wurde ein weiterer Anstieg von 5,8 Prozent prognostiziert. Das bedeutet: Ein Angebot aus dem Jahr 2024 ist heute schon veraltet.
Was Sie nicht sehen: Die versteckten Kosten
Die größte Falle bei der Budgetplanung ist, dass man nur das sieht, was man planen kann. Was man nicht sieht, kostet Geld - und oft viel mehr als erwartet.
Beispiel: Sie haben ein Haus aus den 1970ern. Die Fassade sieht nur leicht abgenutzt aus. Aber sobald das Gerüst steht und der alte Putz abgetragen wird, finden Sie heraus, dass die Außenwand feucht ist - weil die alte Dampfsperre defekt ist. Oder dass die Träger hinter dem Putz verrottet sind. Das ist kein Ausnahmefall. Laut einer Studie des ift Rosenheim (2023) treten bei 68 Prozent aller Fassadensanierungen unvorhergesehene Schäden auf. Die durchschnittlichen Zusatzkosten liegen bei 12 Prozent der Gesamtsumme.
Das bedeutet: Wenn Sie 30.000 Euro budgetieren, sollten Sie mindestens 3.600 Euro als Puffer einplanen. Besser noch: 5.000 Euro. Denn wenn Sie diesen Puffer nicht haben, dann bleibt die Sanierung halb fertig - und das ist teurer als alles andere.
Weitere versteckte Kosten:
- Abbruch und Entsorgung von altem Material: 5-10 €/m²
- Abdichtung von Fensteranschlüssen: 150-300 € pro Fenster
- Neuverlegung von Regenrinnen: 10-15 €/Meter
- Prüfung der Statik durch einen Sachverständigen: 500-1.200 €
- Genehmigung durch das Bauamt (je nach Kommune): 200-800 €
Wenn Sie alle diese Punkte ignorieren, dann rechnen Sie mit einem Budget von 25.000 Euro - und bekommen eine Rechnung von 38.000 Euro. Das ist kein seltenes Szenario.
Wie Sie Ihr Budget richtig planen
Ein gutes Budget ist kein Starthilfeprogramm. Es ist ein Sicherheitsnetz. Hier ist, wie Sie es richtig machen:
- Maß nehmen: Messen Sie die Fassadenfläche genau. Nicht nur die Vorderseite. Auch die Seitenwände und eventuelle Hinterhöfe. Vergessen Sie nicht: Dachüberstände zählen nicht als Fassade, aber die Wand darunter schon.
- Mindestens drei Angebote einholen: Fragt man nur einen Handwerker, dann ist das Angebot oft zu hoch. Fragt man drei, dann sieht man, was normal ist. Achten Sie darauf, dass alle Angebote den gleichen Leistungsumfang enthalten - sonst vergleichen Sie Äpfel mit Birnen.
- Material und Arbeit trennen: Ein Angebot, das nur einen Pauschalpreis nennt, ist gefährlich. Fordern Sie eine Aufschlüsselung: Material, Arbeit, Gerüst, Entsorgung, Nebenkosten.
- Mindestens 15 Prozent Puffer einrechnen: Für unvorhergesehene Schäden, Wetterverzögerungen oder Materialengpässe.
- Prüfen Sie Fördermöglichkeiten: Die KfW-Förderung (Programm 430) zahlt bis zu 20 Prozent der Kosten zurück - wenn Sie eine Energieeinsparung von mindestens 20 Prozent erreichen. Das ist oft möglich mit WDVS und neuen Fenstern.
Ein Tipp aus der Praxis: Planen Sie die Sanierung für den Frühling. Wer im Herbst oder Winter baut, zahlt mehr. Handwerker haben in der kalten Jahreszeit weniger Aufträge - und verlangen daher höhere Preise, weil sie das Risiko nicht tragen wollen.
Was Sie nicht tun sollten
Einige Fehler tauchen immer wieder auf - und sie kosten Geld.
- Nicht nach dem billigsten Angebot suchen: Ein Handwerker, der 30 Prozent unter dem Marktpreis bietet, hat entweder schlechte Materialien, keine Versicherung oder plant, später Nachzahlungen zu verlangen.
- Nicht auf „Fertiglösungen“ aus dem Baumarkt vertrauen: Ein WDVS-Set für 40 Euro pro Quadratmeter ist kein Schnäppchen. Es ist eine Falle. Die Materialien sind minderwertig, die Anleitung unvollständig, und die Garantie hält nicht.
- Nicht ohne Bauvertrag beginnen: Ein mündliches Versprechen ist wertlos. Der Vertrag muss alle Leistungen, Preise, Termine und die Garantiezeit (mindestens 5 Jahre) enthalten.
- Nicht ohne Prüfung der Statik starten: Wenn die Wand instabil ist, dann bringt die schönste Fassade nichts. Ein Sachverständiger kostet 800 Euro - und verhindert einen Schaden von 20.000 Euro.
Förderung: Wie Sie bis zu 20 Prozent sparen
Die KfW-Förderung für Energieeffiziente Sanierung (Programm 430) ist die größte Chance, die Sie haben. Sie zahlt bis zu 20 Prozent der Kosten als Zuschuss - vorausgesetzt, Sie erreichen einen Energieeinsparwert von mindestens 20 Prozent.
Das ist leicht machbar: Wenn Sie eine alte Fassade sanieren und gleichzeitig Fenster austauschen, dann erreichen Sie oft 25-30 Prozent Einsparung. Der Zuschuss wird nach dem Endpreis berechnet - also nachdem alle Kosten zusammengezählt sind. Sie müssen also nicht nur die Fassade sanieren, sondern auch die Fenster, die Dämmung der Kellerdecke oder die Heizungsanlage prüfen.
Wichtig: Sie müssen einen Energieberater beauftragen, der den Sanierungsplan erstellt. Das kostet etwa 500-800 Euro, aber das ist Teil der Förderung - und wird auch erstattet, wenn Sie die Förderung nicht bekommen. Der Berater prüft auch, ob die Sanierung die Normen der EnEV 2020 erfüllt. Ohne diesen Nachweis gibt es kein Geld.
Die Antragsfrist läuft bis Ende 2026. Danach wird die Förderung reduziert. Wenn Sie planen, dann jetzt.
Wie Sie den richtigen Handwerker finden
Ein guter Handwerker ist nicht der billigste. Er ist der, der:
- Eine gültige Handwerkskarte hat
- Eine Haftpflichtversicherung von mindestens 5 Millionen Euro nachweist
- Referenzen zu ähnlichen Projekten vorlegt
- Die DIN 18339 für Fassadenarbeiten kennt und anwendet
- Ein schriftliches Angebot mit klaren Leistungsbeschreibungen gibt
Vermeiden Sie Handwerker, die mit „Soforttermin“ locken oder „heute noch Rabatt“ anbieten. Das ist oft ein Zeichen dafür, dass sie überlastet sind oder schlechte Arbeit liefern.
Frage Sie bei der Handwerkskammer oder dem Bauhandwerker-Verband nach. Dort bekommen Sie verifizierte Empfehlungen - und nicht nur Werbung aus Google-Anzeigen.
Was kommt danach?
Nach der Sanierung ist nicht Schluss. Die Fassade braucht Pflege. Ein Putz mit Silikatfarbe hält 15-20 Jahre. Ein billiger Dispersionsputz hält 8-10 Jahre. Wenn Sie nicht regelmäßig reinigen, wenn Sie keine Risse rechtzeitig schließen, dann beginnt der Kreislauf von Neuem - und das Geld ist wieder weg.
Planen Sie alle 10 Jahre eine Kontrolle ein. Ein Profi schaut nach Rissen, Feuchtigkeit, Schimmel. Das kostet 150-300 Euro - aber es verhindert eine neue Sanierungskosten von 20.000 Euro.
Wie viel kostet eine Fassadensanierung für ein Einfamilienhaus?
Für ein typisches Einfamilienhaus mit 120-180 Quadratmeter Fassadenfläche liegen die Gesamtkosten zwischen 20.000 und 40.000 Euro. Das hängt vom Material, der Dämmung und dem Zustand der Wand ab. Ein einfaches WDVS mit Standardputz kostet etwa 65-80 Euro pro Quadratmeter, eine hochwertige Klinkerfassade kann bis zu 180 Euro pro Quadratmeter kosten.
Kann ich die Fassadensanierung selbst machen?
Teilweise ja - aber nur bei sehr kleinen Flächen und wenn Sie Erfahrung haben. Die Abtragung des alten Putzes, das Gerüst aufstellen und die Abdichtung von Anschlüssen sind professionelle Arbeiten. Wer das selbst macht, riskiert Feuchtigkeitsschäden, die später viel teurer sind. Die meisten Versicherungen zahlen bei Eigenleistung nicht, wenn es zu Schäden kommt. Es lohnt sich nicht.
Wann ist eine Fassadensanierung gesetzlich vorgeschrieben?
In Deutschland ist eine Fassadensanierung nicht allgemein gesetzlich vorgeschrieben - es sei denn, die Fassade ist baufällig und stellt eine Gefahr dar. Dann muss der Eigentümer handeln. Außerdem müssen Sie sanieren, wenn Sie die Energieeinsparverordnung (EnEV 2020) einhalten wollen - etwa wenn Sie mehr als 10 Prozent der Fassade erneuern. Dann müssen Sie die Dämmung auf den aktuellen Standard bringen.
Wie lange dauert eine Fassadensanierung?
Für ein Einfamilienhaus mit 150 Quadratmeter Fassade dauert die Sanierung in der Regel 4-6 Wochen. Das hängt vom Wetter ab. Bei schlechtem Wetter kann es bis zu 8 Wochen dauern. Das Gerüst bleibt meistens 3-4 Wochen aufgestellt. Die Trockenzeit des Putzes braucht mindestens 7-10 Tage - und das kann man nicht beschleunigen.
Was passiert, wenn ich das Budget nicht einhalte?
Wenn das Geld nicht reicht, bleibt die Sanierung halb fertig. Dann bleibt die Fassade ungeschützt, Feuchtigkeit dringt ein, Schimmel wächst - und die Substanz des Hauses wird beschädigt. Später kostet die vollständige Sanierung doppelt so viel. Ein unvollständiger Auftrag ist oft teurer als gar keine Sanierung.
Gibt es eine Garantie auf Fassadensanierungen?
Ja, und zwar mindestens 5 Jahre. Das ist gesetzlich vorgeschrieben, wenn es sich um eine gewerbliche Leistung handelt. Die Garantie deckt Mängel in der Ausführung ab - nicht den natürlichen Verschleiß. Achten Sie darauf, dass die Garantie schriftlich im Vertrag steht und der Handwerker eine Haftpflichtversicherung hat, die diese Garantie abdeckt.