Faserzementtafeln als Fassadenbekleidung: Montage und Pflege im Praxis-Test
Warum Faserzementtafeln die beste Wahl für moderne Fassaden sind
Wenn du eine Fassade sanierst oder neu baut, willst du etwas, das lange hält, nicht brennt und kaum Pflege braucht. Faserzementtafeln erfüllen genau das. Sie bestehen aus Zement, Quarzsand, Cellulosefasern und einigen Mineralien - alles unter hohem Druck und bei hohen Temperaturen verpresst. Das Ergebnis? Eine Platte, die wind- und wetterfest ist, nicht rostet, nicht verrottet und nicht verbrennt. Die meisten Tafeln wie HardiePlank®, Cedral oder Cembrit haben eine Dicke von 8 mm und messen etwa 1,25 m × 3 m. Sie sind nicht brennbar (Klasse A1 nach EN 13501-1), was sie in vielen europäischen Städten zur Pflicht macht, besonders nach den verschärften Brandschutzregeln seit 2022. Jedes Jahr werden in Europa rund 15 Millionen Quadratmeter neue Faserzementfassaden verbaut. Das ist kein Zufall.
Die Montage: Schritt für Schritt, ohne Überraschungen
Die Montage klingt kompliziert, ist es aber nicht - wenn du die Regeln kennst. Der größte Fehler? Die Hinterlüftung vergessen. Ohne einen Abstand von mindestens 20 mm zwischen Tafel und Wand baut sich Feuchtigkeit auf, und das führt zu Schimmel, Rissen oder sogar zum Versagen der Fassade. Das sagt nicht nur der Hersteller - das bestätigt auch das Deutsche Institut für Bautechnik. Du brauchst also eine Unterkonstruktion aus kesseldruckimprägniertem Holz (C24-Qualität) in horizontaler oder vertikaler Anordnung. Die Latten müssen max. 60 cm auseinander liegen. Das ist die Basis.
Beginne immer unten. Setze das Starterprofil auf, dann die erste Tafel darauf. Die Befestigung erfolgt mit speziellen Schrauben oder Nägeln, die mitgeliefert werden. Diese sind korrosionsbeständig und farblich abgestimmt. Die Schraube sitzt 20 mm unter der oberen Kante der Tafel - kein tiefer, kein flacher. Sonst knackt die Platte oder reißt die Beschichtung. Die Abstände zwischen den Befestigungspunkten betragen 60 cm. Keine Ausnahme. Und: Du brauchst kein Vorbohren. Die Tafeln sind so konstruiert, dass die Schrauben sich selbst durch das Material fräsen. Das spart Zeit und macht die Arbeit sauberer.
Thermische Ausdehnung: Der unsichtbare Feind
Faserzement dehnt sich bei Hitze aus und zieht sich bei Kälte zusammen. Das ist normal. Aber wenn du das nicht einrechnest, wölbt sich die Fassade. In einer Tafel von 3 Metern Länge kann sich bei 60°C Temperaturunterschied bis zu 1,8 mm verändern. Klingt wenig? Bei mehreren Reihen addiert sich das. Das Ergebnis? Verzogene Platten, offene Fugen, Wasser, das eindringt. Deshalb muss oben und unten immer ein Ausgleichsabstand bleiben. Bei Cedral wird ein Mindestabstand von 1 cm oben empfohlen. Bei HardiePlank sind es 8 mm. Diese Lücken sind kein Fehler - sie sind Teil der Konstruktion. Vergiss sie nicht, und du vermeidest die häufigste Reparatur, die es gibt: die Nachjustierung nach zwei Jahren.
Fenster und Türen: Die kritischen Übergänge
Da, wo die Fassade auf Fensterbank, Türsturz oder Ecken trifft, ist der größte Aufwand. Unter der Fensterbank muss ein Lüftungsprofil eingebaut werden - sonst stagniert die Luft und Feuchtigkeit bleibt hängen. Der Abstand zwischen Fensterbank und Fassadentafel muss mindestens 10 mm betragen. Und die Fensterbank sollte 30 mm über die Tafel hinausragen. So läuft das Wasser ab, statt in die Fuge zu sickern. Dichtbänder aus EPDM zwischen Tafel und Lattung verhindern Klappergeräusche und verbessern die Optik. Das ist kein Luxus - das ist Standard. Die Architekten des BDA fordern das seit 2023 explizit. Wer das ignoriert, hat später Probleme mit Feuchtigkeit und Schall.
Pflege: Einfach, aber nicht vernachlässigbar
Faserzement ist pflegeleicht - aber nicht pflegefrei. Du brauchst keinen Anstrich, keine Lasur, keine Imprägnierung. Aber: Staub, Moos, Vogelkot und Pollen sammeln sich. Einmal im Jahr mit einem weichen Besen oder einem leichten Wasserstrahl abspülen reicht. Aber Vorsicht: Hochdruckreiniger mit mehr als 100 bar können die Oberfläche angreifen. Das sagt nicht nur der Hersteller - das hat die TU München in Tests bestätigt. Was bleibt, ist ein sanfter Strahl, ein Lappen und manchmal ein mildes Reinigungsmittel. Keine Scheuermittel, keine Säuren. Die Beschichtung ist witterungsbeständig, aber nicht unverwüstlich. Einmal im Jahr abspülen, und du hast 50 Jahre Freude.
Was kostet es? Und lohnt es sich?
Die Anschaffung kostet zwischen 45 und 65 € pro Quadratmeter - deutlich mehr als Holz (30-45 €/m²). Aber du vergleichst nicht die gleichen Dinge. Holz braucht alle 5-7 Jahre einen neuen Anstrich, und nach 30 Jahren ist es oft raus. Faserzement hält 50+ Jahre. Du sparst also langfristig. Die Lebensdauer ist doppelt so lang. Und die Wartung? Nahezu null. Die meisten Nutzer auf Fassadenbau.net bewerten die Witterungsbeständigkeit mit 4,7 von 5 Sternen. Die Kosten? Nur 3,5. Aber das ist, weil sie nur den Anfangspreis sehen. Wer die Gesamtkosten über 30 Jahre rechnet, kommt auf eine Einsparung von bis zu 40%. Und das bei einem Material, das nicht brennt und keine Schadstoffe abgibt.
Neue Entwicklungen: Was kommt als Nächstes?
Der Markt bewegt sich. James Hardie hat im März 2023 die Eco-Serie eingeführt - 30% recyceltes Material, 20% weniger CO₂. Cedral plant für Ende 2024 einen neuen Klick-Mechanismus namens Cedral Click 2.0. Keine Schrauben mehr - einfach einrasten. Das könnte die Selbstmontage revolutionieren. Swisspearl hat mit Patina NXT eine Tafel mit integrierter Dämmschicht auf den Markt gebracht. Der U-Wert verbessert sich um 0,15 W/m²K. Das ist kein kleiner Schritt. Das macht Faserzement zu einer echten Wärmedämmung, nicht nur zu einer Hülle. Diese Innovationen zeigen: Es geht nicht mehr nur um Haltbarkeit. Es geht um Energieeffizienz, Nachhaltigkeit, und einfachere Montage.
Wer nutzt es? Und warum?
Architekten (45%), Handwerker (35%) und private Bauherren (20%) - das sind die drei Hauptgruppen. Aber der Anteil der Selbstbauer steigt. Warum? Weil die Anleitungen besser geworden sind. Die YouTube-Videos von Cedral, die Montageanleitungen von James Hardie, die detaillierten PDFs von Cembrit - alles ist klar, bildlich, Schritt für Schritt. Ein erfahrener Handwerker schafft 1,5-2 m² pro Stunde. Ein Laie, der die Anleitung befolgt, kommt auf 0,5-0,8 m². Das ist machbar. Und wenn du das erste Mal eine Tafel montierst, merkst du: Es ist wie Legobau - nur mit echten Materialien.
Was passiert, wenn du es falsch machst?
Die meisten Probleme kommen von drei Dingen: zu wenig Lüftung, falsche Befestigung, oder Hochdruckreiniger. Ein Nutzer auf Fassadenbau.net schrieb im Oktober 2023: „Habe die 1 cm Lüftungsabstände oben nicht eingehalten - jetzt wölben sich die Platten.“ Das ist typisch. Ein weiterer Fall: Jemand hat normale Stahlnägel verwendet. Nach zwei Jahren rosteten sie, die Tafeln sackten ab. Oder: Ein Bauherr hat die Fassade mit 150 bar gereinigt - die Oberfläche war danach stumpf und rau. Keine der Hersteller deckt solche Schäden ab. Denn es ist kein Materialfehler. Es ist ein Installationsfehler. Die Lösung? Lies die Anleitung. Nicht nur die Hälfte. Nicht nur die Übersicht. Die ganze.
Was ist der entscheidende Vorteil?
Es ist nicht die Langlebigkeit. Es ist nicht die Nichtbrennbarkeit. Es ist die Kombination aus beidem - plus Null Pflege. Du baust einmal. Und dann vergisst du es. Kein Anstrich. Kein Holzschutz. Kein Rostschutz. Kein Austausch. Du hast eine Fassade, die mit dir alt wird - ohne dass du sie jemals wieder anfassen musst. Das ist der echte Vorteil. Und das macht Faserzement zu mehr als nur einem Baustoff. Es macht es zur Lösung.