Eigenleistung dokumentieren: Fotos, Stundenzettel und Nachweise richtig sammeln

Eigenleistung dokumentieren: Fotos, Stundenzettel und Nachweise richtig sammeln
12 Januar 2026 0 Kommentare Lorenz Schilf

Wenn du selbst baust, renovierst oder reparierst, dann leistest du Eigenleistung. Das klingt erstmal nach einem netten Spartrick - und ist es auch. Aber nur, wenn du es richtig dokumentierst. Viele Bauherren denken: „Ich mach’s selbst, das zählt doch.“ Falsch. Ohne saubere Nachweise ist deine Eigenleistung wertlos - für die Bank, für die Versicherung, für das Finanzamt. Kein Kredit, keine Förderung, keine Erstattung. Kein Risiko, keine Haftung, kein Nachweis - kein Geld.

Warum du Eigenleistung dokumentieren musst

Eigenleistung ist kein Hobby. Sie ist ein wirtschaftlicher Akt. Wenn du deine Garage selbst ausbaust, deine Wand streichst oder den Keller isolierst, dann entsteht ein Vermögenswert. Und der muss in der Bilanz auftauchen. Das schreibt das Handelsgesetzbuch (HGB) vor - genauer: § 248 Nr. 4 und § 266 Abs. 2 HGB. Du hast kein Recht auf Steuervorteile oder Finanzierung, wenn du nicht nachweisen kannst, was du getan hast.

Banken akzeptieren Eigenleistung als Eigenkapital - aber nur, wenn du es wie ein Profi dokumentierst. Die Deutsche Steuerberatervereinigung sagt klar: Bei Eigenleistungen über 5.000 Euro sind detaillierte Fotos und Stundennachweise obligatorisch. Ohne das gilt die Aktivierung als rechtswidrig. Und das bedeutet: Steuernachforderungen. Bis zu 30 Prozent der Gesamtkosten kannst du sparen - aber nur, wenn du deine Arbeit nachweisen kannst.

Die drei Säulen der Dokumentation: Fotos, Stundenzettel, Materialnachweise

Es gibt drei Säulen, die zusammenhalten, was du selbst gemacht hast. Fehlt eine, bricht das ganze System zusammen.

1. Fotos - Der visuelle Beweis

Ein Foto von einem frisch gestrichenen Boden sagt nichts. Ein Foto von einem Boden, der vorher schmutzig war, während du ihn schraubst, und danach glatt und sauber - das ist Beweis.

Die Experten empfehlen: Mindestens drei Fotos pro Arbeitsabschnitt. Ein Weitwinkel, um den Gesamtzustand zu zeigen. Ein Nahbild, um Details wie Schrauben, Dichtungen oder Anschlüsse zu zeigen. Und ein Foto mit einem Skalierungselement - ein Maßband, ein Ziegelstein, ein 1-Euro-Stück. Das beweist, dass du nicht nur mal schnell was angefasst hast, sondern wirklich etwas gemacht hast.

Datier die Fotos. Jedes. Kein „Bild_123.jpg“. Nimm den Namen: „Kellerisolierung_2025-03-15_Vorher.jpg“ und „Kellerisolierung_2025-03-15_Nachher.jpg“. Nutze die Metadaten deiner Kamera oder deines Handys. Das ist der einzige Weg, später zu beweisen, wann du was gemacht hast.

Und speicher sie nicht nur auf deinem Handy. Lade sie in die Cloud - Google Drive, Dropbox, OneDrive. Und mach eine Sicherungskopie auf einer externen Festplatte. Verliere sie nicht. Einige Banken verlangen, dass du die Fotos im Originalformat vorlegst - nicht als Screenshots.

2. Stundenzettel - Der Zeitnachweis

Wie viele Stunden hast du wirklich investiert? 20? 100? 300? Du musst es genau aufschreiben. Und zwar pro Arbeitsschritt.

Ein handschriftlicher Zettel mit „Montag: 4 Std.“ reicht nicht. Das hat schon 62 Prozent der geprüften Bauherren ihre Finanzierung gekostet. Die Sparkasse und die Deutsche Steuerberaterkammer verlangen: Einheitliches Format, detailliert, nachvollziehbar.

Was gehört rein?

  • Datum
  • Arbeitsaufgabe (z. B. „Wandverkleidung im Schlafzimmer“)
  • Beginn und Ende der Arbeit (Stunde und Minute)
  • Geleistete Stunden (differenziert)
  • Verwendete Werkzeuge (optional, aber hilfreich)
  • Unterschrift

Benutze digitale Tools. Toggl Track, PlanGrid oder Baukind sind kostenlos oder günstig. Die App läuft im Hintergrund, du drückst „Start“ und „Stop“. Am Ende hast du eine Excel-Datei mit allen Daten - und die Bank akzeptiert sie. Die Bundesregierung fördert sogar seit Januar 2024 digitale Dokumentation mit bis zu 500 Euro pro Projekt. Das ist kein Bonus - das ist eine klare Empfehlung.

Und denk daran: Du kannst nur die Zeit geltend machen, die ein Handwerker auch berechnen würde. Keine 10 Stunden für das Aufhängen eines Bildes. Keine 8 Stunden für das Einräumen von Werkzeugen. Das ist kein Eigenleistung - das ist Unordnung.

3. Materialnachweise - Der Kostenbeweis

Du hast 500 Euro Holz gekauft? Dann brauchst du die Rechnung. Du hast 20 Liter Farbe genommen? Dann brauchst du den Kassenbeleg. Du hast alte Dachziegel wiederverwendet? Dann dokumentier das - mit einem Foto und einer Erklärung.

Die Bank will nicht wissen, was du gedacht hast. Sie will sehen, was du ausgegeben hast. Und sie will wissen, dass du nicht einfach irgendetwas aus dem Keller geholt hast und es als „neu“ verbuchst.

Sammlungstipp: Erstelle einen Ordner - digital und physisch - mit allen Belegen. Sortiert nach Arbeitsabschnitt. Jede Rechnung, jeder Kassenbeleg, jede Quittung. Keine Ausnahmen. Selbst wenn du nur 20 Euro für eine Schraube ausgegeben hast. Alles zählt.

Wie viel ist deine Eigenleistung wert?

Du kannst nicht einfach sagen: „Ich hab 100 Stunden gearbeitet, also 100 × 30 Euro = 3.000 Euro.“ Nein. Es gibt Regeln.

Fördermittel-Wissenswert.de legt fest: Für ehrenamtliche Eigenleistung gilt ein kalkulatorischer Stundensatz von 15 Euro pro Stunde. Das ist der Standard. Und es gibt eine Obergrenze: maximal 15.000 Euro pro Förderantrag. Das bedeutet: Selbst wenn du 1.000 Stunden gearbeitet hast, kannst du nur 15.000 Euro geltend machen. Mehr ist nicht erlaubt.

Bei Versicherungen ist es anders. Hier geht es nicht um den Stundensatz, sondern um den Wiederherstellungswert. Das heißt: Wie viel würde ein Handwerker kosten, um den Schaden zu beheben? Die Versicherung zahlt nicht, was du ausgegeben hast - sondern was du hättest ausgeben müssen. Deshalb ist die Dokumentation so wichtig: Ohne Nachweis, keine Erstattung. Und die durchschnittliche Erstattung bei Schadensfällen liegt bei 1.850 Euro - aber nur, wenn du alles richtig dokumentiert hast.

Digitaler Stundenzettel auf Smartphone mit Arbeitszeit und Rechnungen auf dem Schreibtisch.

Was passiert, wenn du es falsch machst?

Du denkst, du hast alles gut gemacht. Aber deine Bank sagt nein? Dann ist es meistens nicht die Bank, die schlecht ist. Sondern deine Dokumentation.

Ein Fall aus dem Forum „bauexperten.com“: Ein Bauherr hat 35.000 Euro Eigenleistung geltend gemacht - mit 1.200 Fotos, digitalen Stundenzetteln und allen Rechnungen. Die Bank hat alles anerkannt.

Ein anderer: Er hat handschriftliche Zettel gemacht, keine Fotos, keine Rechnungen. Die Bank hat 70 Prozent abgelehnt. Keine Beschwerde, kein Recht. Nur eine klare Regel: Ohne Nachweis, kein Geld.

Und das ist nicht nur bei Banken so. Auch bei Versicherungen: 2,8 von 5 Sternen geben Kunden für die Abwicklung von Eigenleistungsansprüchen. Warum? Weil die Nachweise unvollständig sind. Die Versicherung will nicht deine Geschichte hören. Sie will deine Beweise sehen.

Tipps für die Praxis - Was du wirklich tun solltest

Du willst es richtig machen? Dann folge diesem einfachen Plan:

  1. Bevor du anfängst: Sprich mit deiner Bank. Kläre, wie viel Eigenleistung sie akzeptiert. Manche haben Höchstbeträge. Manche verlangen einen Sachverständigen. Frag vorher.
  2. Während du arbeitest: Mache täglich Fotos. Führe den Stundenzettel. Sammle alle Belege. Keine Ausreden. Jede Stunde zählt.
  3. Nach Abschluss: Ordne alles. Fotos nach Datum und Arbeitsabschnitt. Stundenzettel in einer Tabelle. Rechnungen chronologisch. Mach eine Kopie. Speichere digital. Und gib es deiner Bank oder Versicherung in einem sauberen Ordner - oder als PDF-Datei.
  4. Denk an die Zukunft: Du wirst diese Unterlagen mindestens 10 Jahre aufbewahren müssen. Für die Steuer, für eventuelle Schadensfälle, für die nächste Finanzierung.

Und vergiss nicht: Eine gute Dokumentation spart nicht nur Geld - sie schützt dich. Wenn du später mal einen Schaden hast, weißt du genau, was du selbst gemacht hast. Und die Versicherung weiß es auch. Keine Streitereien. Keine Verzögerungen. Keine Abzüge.

Ordner mit Eigenleistungs-Dokumenten öffnet sich, um digitale Speicher und Bankfreigabe zu symbolisieren.

Die Zukunft: Digital, schnell, sicher

Die Zeiten, in denen du einen Koffer mit Papieren zur Bank tragen musst, sind vorbei. Seit September 2024 akzeptiert die Deutsche Bundesbank explizit Cloud-gespeicherte Fotos und elektronische Stundenzettel. Die Deutsche Steuerberaterkammer hat eine Standardvorlage veröffentlicht - und 87 Prozent der Steuerberater nutzen sie schon.

Und die Zukunft? KI-geprüfte Dokumentation. Die Berliner Sparkasse hat einen Pilotversuch gestartet: Mit KI werden Fotos automatisch auf Vollständigkeit geprüft, Stundenzettel auf Plausibilität. Die Bearbeitungszeit sinkt von 28 auf 9 Tage. Bis 2026 wird die Anerkennungsquote auf 78 Prozent steigen - aber nur, wenn du digital dokumentierst.

Die Europäische Kommission plant bis Mitte 2025 EU-weite Standards. Das heißt: Bald wird es keine unterschiedlichen Regeln mehr geben. Nur noch eine: Dokumentieren - oder verzichten.

Frequently Asked Questions

Kann ich Eigenleistung auch nachträglich dokumentieren?

Nein, nicht wirklich. Du kannst Fotos von einem fertigen Raum machen - aber das beweist nicht, dass du die Arbeit selbst gemacht hast. Die Bank oder Versicherung braucht den Prozess: Vorher, während, nachher. Nachträgliche Dokumentation gilt als unzuverlässig. Am besten: Dokumentiere von Tag 1 an.

Wie viele Fotos brauche ich pro Arbeitsabschnitt?

Mindestens drei: ein Weitwinkel (Gesamtzustand), ein Nahbild (Details wie Schrauben oder Dichtungen) und ein Foto mit einem Skalierungselement (Maßband, Ziegel, Euro-Münze). Mehr ist besser - besonders bei komplexen Arbeiten wie Elektrik oder Sanitär.

Darf ich Eigenleistung auch für Reparaturen an einer bestehenden Immobilie geltend machen?

Ja, aber nur, wenn es sich um eine wertsteigernde Maßnahme handelt. Eine neue Heizung? Ja. Eine kaputte Dichtung ersetzen? Nein. Nur Arbeiten, die den Wert der Immobilie erhöhen, können aktiviert werden - und nur dann zählen sie als Eigenkapital.

Wie hoch ist der kalkulatorische Stundensatz für Eigenleistung?

15 Euro pro Stunde ist der offizielle Standard für Förderanträge und Finanzierungen. Das gilt für ehrenamtliche Arbeit. Für gewerbliche Eigenleistungen - z. B. wenn du als Handwerker tätig bist - gilt der marktübliche Satz. Aber das ist eine andere Rechtslage. Für Privatpersonen: 15 Euro ist der sichere Wert.

Was passiert, wenn ich die Dokumentation verliere?

Dann verlierst du auch die Anerkennung. Keine Bank, keine Versicherung, kein Finanzamt akzeptiert „Ich weiß, ich hab’s gemacht“. Du brauchst Beweise. Deshalb: Mach zwei Kopien - eine digital, eine physisch. Speichere in der Cloud und auf einer externen Festplatte. Und bewahre alles mindestens 10 Jahre auf.

Was du jetzt tun solltest

Wenn du gerade anfängst: Hol dir eine App - Toggl Track, Baukind, PlanGrid. Erstelle einen Ordner für Fotos. Sammle alle Rechnungen. Und fang an, jeden Tag zu dokumentieren. Nicht morgen. Nicht nächste Woche. Heute.

Wenn du schon gearbeitet hast: Gehe deine Fotos durch. Prüfe, ob du alle Arbeitsabschnitte abgedeckt hast. Füge fehlende Stundenzettel hinzu. Suche nach Rechnungen, die du noch nicht abgelegt hast. Und sprich mit deiner Bank - bevor du den nächsten Antrag stellst.

Eigenleistung ist kein Bonus. Sie ist eine Verpflichtung. Und wer sie richtig macht, spart Geld - und schützt sich vor Risiken. Wer sie ignoriert, verliert alles - und hat nichts als ein paar müde Hände und eine leere Akte.